Schönen Gruß von Orwell!?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

während meines diesjährigen Sommerurlaubs in Österreich wurde ich Zeuge einer Diskussion, die uns mit Sicherheit auch blühen kann: die Videoüberwachung von Schulen. Anlass war die neueste österreichische Statistik zur Jugendkriminalität, wonach die Anzahl minderjähriger Straftäter im letzten Jahr zugenommen hat und auch nicht Halt vor den Schulen macht. Vier Wiener Schulen hatten angesichts von Vandalismus – beispielsweise in den Toilettenräumen – eine Überwachung bei der staatlichen Datenschutzkommission beantragt. Aber: Videoüberwachung in Schulen ist illegal. Das teilte die Österreichischen Datenschutzkommission (DSK) Anfang Juli mit. Die Aufsicht von Schülern sei im Schulunterrichtsgesetz geregelt. Dieses beinhalte keine ausdrückliche Ermächtigung, Videoüberwachung einzusetzen. Einzige Ausnahme sind Außenplätze wie etwa Fahrradabstellräume. Hier seien Kameras erlaubt.

Sicher werden sich bei diesem Punkt die Geister scheiden. Überwachte Schulen würden auch eventuell nicht mehr Opfer von Einbrechern. In den USA sind solche Methoden nicht nur in Fernsehfilmen schon längst Realität. Und auch in Deutschland berichtete die Ostseezeitung schon vor fünf Jahren wie folgt:

Die Videoüberwachung von drei Schulen in Schwerin und Greifswald hat dort Sachbeschädigungen verringert und das Sicherheitsempfinden bei Schülern wie Lehrern verbessert. So lautet die positive Bilanz für das einjährige Modellprojekt des Landeskriminalamts. Das mag hoffnungsvoll klingen für Schulen, denen mitunter durch Schmierereien, Einbrüche oder zerschlagene Scheiben Schäden bis zu 10 000 Euro entstehen. Auf der anderen Seite wird die Freiheit, sich unbeobachtet zu bewegen, eingeschränkt. Dieser Einwand sollte nicht vom Tisch gefegt werden, wenn es darum geht, dieses bundesweit einmalige Pilotprojekt auszuweiten. Die Videoüberwachung ist kein Königsweg.
Die Initiatoren unterstellen in den drei konkreten Fällen, dass die 35 000 Euro teure Technik eine vorbeugende Wirkung erzielte. Das Gegenteil ist schwer zu beweisen. Die Statistik jedoch vermeldet, dass Einbruchsdiebstähle an den Schulen von M-V seit 2000 von 1144 auf 817 Fälle im letzten Jahr gesunken sind. Es geht offensichtlich, auch wenn die Zahl noch zu hoch ist, ohne Kameras.
Der Vorsatz, die Schulen für Kinder und Lehrer sicherer zu machen, ist ohne Einwände zu unterstützen. Sicherheitstechnik sollte jedoch gerade bei Eltern und Lehrern nicht dazu führen, eine Aufgabe zu vernachlässigen: den Vandalismus erzieherisch zu bekämpfen.

Dabei sollte der letzte Satz unterstrichen werden, denn George Orwells Szenario „1984“ scheint auch bei uns schon Realität zu sein, wenn man die Überwachung öffentlicher Plätze und die Vorratsdatenspeicherung hinzurechnet. Ein gutes Gefühl habe ich dabei nicht. Sicher, wer nichts zu verbergen hat, braucht auch nichts zu befürchten, aber andererseits muss auch derjenige, der nicht zu verbergen hat, nicht kontrolliert werden.

Schreiben Sie mir an lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

Gernot Herz

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