Schulen aufgepasst: Die Private Konkurrenz holt auf!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Privatschulen sind im Trend, nicht nur in Deutschland, sondern europaweit, das belegen die Zahlen:

  • Bis zu 100 neue Privatschulen kommen in Deutschland jährlich dazu.
  • Es gibt über 3000 allgemeinbildende Schulen in privater Trägerschaft in Deutschland.
  • Seit 1992 ist diese Zahl um mehr als 50 Prozent gewachsen; jährlich kommen 80 bis 100 Schulen hinzu.
  • In Schleswig-Holstein gehen 3,7 Prozent der Schüler in Privatschulen.
  • In Bayern gehen bereits 10,5 Prozent zur privaten Konkurrenz.
  • 80 Prozent der Privatschulen sind in kirchlicher Trägerschaft.
  • Fast 40 Prozent aller Privatschüler sind Gymnasiasten.
  • Europaweit geht fast ein Viertel aller Schüler in private Bildungseinrichtungen.
  • In Dänemark gehen 11 Prozent, in Frankreich 21 und in den Niederlanden sogar mehr als 75 Prozent der Schüler in private Schulen.
  • Je nach Art der Schule kann das Schulgeld zwischen 50 und 900 Euro im Monat betragen.

Das angesichts mangelnder Personal- und Arbeitsmaterialausstattung und maroden Schulgebäuden vor allem diejenigen in private Schulen drängen, die es sich leisten können, steht zu befürchten. Das würde leider mal wieder bestätigen, was die Bildungsforschung dem deutschen Schulsystem schon immer vorwirft: Der Schulerfolg hängt eng mit der sozialen Herkunft zusammen. Bildungsferne Milieus werden nicht in der Lage oder gar bereit sein, Schulgeld für die Ausbildung ihrer Kinder zu zahlen. Was heißt das für die staatlichen Schulen? Der Rückgang der Schülerzahlen wird sich hier noch verstärken, was aber auch Chancen bietet, um diejenigen, die dann noch übrig bleiben in kleineren Lerngruppen auf einer neuen Basis zu beschulen.

Welche Chancen bietet die steigende Zahl von Privatschulen für Lehrerinnen und Lehrer? Sie verdienen meistens zehn bis 20 Prozent weniger als ihre Kollegen an staatlichen Schulen und haben eine etwas höhere Anzahl an Unterrichtsstunden, sagt Martin Kunze, Pressesprecher des Bundesverbands Deutscher Privatschulen (VDP). Es gebe aber auch private Schulen, die mehr zahlten als staatliche. Allerdings kann man sich direkt bei ihnen bewerben, muss allerdings auf den begehrten Beamtenstatus verzichten. Bessere Arbeitsbedingungen als an staatlichen Schulen dürften aber (mehr als) ein Trostpflaster sein.

Ihr

 

Gernot Herz

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Frank, 17.03.2009 13:08:
Vor allem bestätigt sich, dass Statistiken und Studien sinnlos sind, wenn sie falsch oder zumindest voreingenommen interpretiert werden. Dass natürlich nur die an die Privatschulen gehen, deren Eltern es sich leisten können, besagt noch lange nicht, dass diese auch den größeren Bildungserfolg haben. Ich habe selbst ein Jahr an einer Privatschule unterrichtet und konnte sehr deutlich erleben, wie auch dort nur mit Wasser gekocht wurde - und gute Noten nicht automatisch gute Bildung bedeuteten. Und dann dieser gebetsmühlenartig wiederholte Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen. Natürlich haben statistisch gesehen z.B. Akademikerkinder größere Bildungschancen als Arbeiterkinder. das liegt aber nicht primär am Geldbeutel, sondern ganz einfach an den Bildungsvoraussetzungen in den Elternhäusern. Das ändern zu wolen, ist löblich, aber unerreichbar - was nicht heißt, dass es selbstverständlich eine wichtige Aufgabe sein muss, gerade die Schüler mit weniger guten Bildungsvoraussetzungen zu fördern und zu fordern. Etwas weniger Blauäugigkeit und Polemik täte diesen Bemühungen sehr gut!
Markus, 17.03.2009 16:25:
Die Crux mit den öffentlichen Schulen bestehtz u.a. auch darin, dass sie keiner Konkurrenz ausgesetzt sind. Wer nicht über eine wohlgefüllten Geldbeutel verfügt, hat gegenüber den öffentliche Schulen eine "Abnahmeverpflichtung".Natürlich gibt es im öffentlichen Schulwesen hervorragende Pädagogen. Es gibt aber auch andere und die wird man, sind sie einmal beamtet, nicht mehr los. Es genügt im öffentlichen Schulwesen nicht, ein schlechter Lehrer zu sein um gekündigt zu werden. Diese lebenslange Sicherung des Brotkorbs und der fehlende Anreiz durch Lohnwirk-samkeit der Lehrerleistung führt führt zu einer Haltung, die sich mit einer von mir persönlich gehörten Lehreräusserung trefflich umschreiben lässt: "Ich sammle nicht Gehalts-klassen, sondern Dienst-jahre". Bei einem privaten Bildungsträger würde eine solche Haltung zur Kündigung führen. Im Übrigen stimmte ich der Ansicht von Frank zu: Die Bildungsvoraussetzungen in den Elternhäusern spielt eine entscheidende Rolle. Und diese Voraussetzungen sind nun mal nicht überall gleich und werden es auch nie sein. Markus Müller Markus Müller
Rolf, 24.03.2009 08:42:
Man sollte aber bei der Finanzierung der Privatschulen, ob kirchlich, in Form eines Vereins, rein privat oder wie auch immer, darauf hinweisen, dass diese Schulen zu 90 oder mehr Prozent aus staatlichen Steuermitteln finanziert werden! Dies sind dann keine Almosen, sondern ein gesetzliches Recht. Darauf weisen die Privatschulensehr selten auch selber hin. Die restliche Finanzierung scheinen dann einige Schulen dadurch zu finanzieren, indem sie geringere Gehälter für die Lehrer zahlen und sie länger arbeiten lassen. Oder sind alle Lehrer dort immer so intrinsisch motiviert? Spannend würde es sein, wenn sich Privatschulen komplett selbst finanzieren und sich für alle Bildungsschichten anbieten würden. Und es stellt sich auch die Frage, ob Privatschulen wirklich besser sind als die staatlichen. Nach einem Jahr Erfahrung an einem privaten Gymnasium mit evangelischen Hintergrund kann ich das nicht unbedingt bestätigen. Aber Privatschulen können sich besser "verkaufen" als staatlichen Schulen und um sich die Aura des Besseren verbreiten. Gibt es auch private Hauptschulen? Ich kenne keine. Staatliche Schulen werden nie Schüler/innen abweisen können (sondern nur nach "unten" durchreichen.)