Sind die Bildungsentscheidungen türkischer Migranten wirklich anders?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Sarrazins Ausfällen und der breiten Zustimmung zu einigen seiner Thesen in der Öffentlichkeit zum Trotz:  Die Motivation der türkischen Bevölkerungsgruppe ist nicht dafür verantwortlich, dass diese in Hauptschulen überrepräsentiert ist, wie Forschungsergebnisse des Soziologen Dr. Jörg Dollmann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES) der Universität Mannheim belegen. 

In seiner Doktorarbeit „Türkischstämmige Kinder am ersten Bildungsübergang. Primäre und sekundäre Herkunftseffekte“ belegt er beispielsweise, dass

  • türkischstämmige Grundschulkinder bei gleichen Leistungen und vergleichbarem sozialem Hintergrund häufiger auf anspruchsvollere Schultypen wechseln, als Kinder ohne Migrationshintergrund.
  • die Hauptschule seitens der Türkischstämmigen möglichst gemieden wird, wenn es die Leistungen der Kinder zulassen.
  • Tendenzen feststellbar sind, wonach der Besuch des Gymnasiums im Vergleich zur Realschule bei Türken eher präferiert wird, als bei Deutschstämmigen.

Der Forscher konstatiert weiterhin die Problematik der Bildungsferne aber keine Diskriminierung hinsichtlich der Empfehlung der Grundschule für den Besuch weiterführender Schule. Anscheinend ist die türkische Migrantengruppe „normaler“, als weithin angenommen wird! Dass es hier auch sehr problematische Fälle gibt, bestätigt diese Normalheit eher, denn die gibt es in nicht geringer Zahl auch unter Deutschstämmigen.

Ihr

 

Gernot Herz

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Wolfgang, 07.09.2010 08:23:
Der Beitrag ist wenig hilfreich, da er die bestehenden Probleme eher verharmlost und wegdiskutiert. Herrn Sarrazins Wortwahl wurde zu Recht kritisiert; die Probleme benennt er nicht als erster oder einziger. Bedarf es etwa inzwischen in Deutschland eines derart krawalligen Tons, um die Verharmloser zu übertönen und die Politiker aus rund zwanzigjährigem Dauerschlaf zu wecken? Es wäre schade, aber der Verdacht beschleicht mich schon!
Berndt, 07.09.2010 09:17:
Mit dem Thema wurde schon eine Menge Geld eingespielt, für die Autoren. Der Effekt dürfte gegen Null gehen, da wo ein Hodscha das Sagen hat, liest man es nicht. Wichtiger dürfte dort das "Murmeltiersyndrom" sein, möglichst viele vom deutschen Staat subventionierte Nachkommen, für die warme Hütte. Schule, Bildung, Ausbildung... reicht wenn sie den Koran runterbeten.
Lutz, 07.09.2010 10:21:
... also bauchen wir zum besseren Verständnis (mindestens) zwei weitere Fragen resp. Untersuchungen: 1. Ist ein Filter in der Umgebung festzustellen? d.h. befördern die Übergangsempfehlungen, dass die türkische Bevölkerungsgruppe in den Hauptschulen überrepräsentiert ist? und, wohl bei der Erhebung systematisch schwieriger, 2. Sind neben der allgemeinen Motivaion noch "persönliche" Faktoren wirksam, die gerade in dieser Wohnumgebung oder in dieser Elternfamilie innerhalb der weiteren Verwandtschaft, oder aber bei diesem Kind in seinem Freundeskreis Erwatungshaltungen oder Hoffnungen auszumachen, welche die asllgemeine Motivation regelmäßig überwiegen? Und dann noch 3. Wie weit ist die Antwort auf die Motivationsfrage von der (erspürten) Erwartung des Interviewers abhängig? oder davon, welches Bild die/der Befragte abgeben will -- unabhängig von der bestehenden Motivation? Also Fragenlisten mit schwierigen Vergewisserungsteilen und bestimmt mit einem hohen Aufwand bei der Auswertung. Tschüs! Lutz Schuberth . P.S. Wolfgans und Berndts mainstream - Argumentationen helfen wohl auch nicht zu besserem Verständnis; eigentlich schade! L.S.
Werner, 07.09.2010 15:30:
Bei der Entscheidung über den Bildungsweg muss man m.E. zwischen Jungen und Mädchen unterscheiden. Türkische Mädchen sind nach meiner Erfahrung zielstrebig und besuchen häufig höhere Schulen, dagegen sind die kleinen Paschas oft schon von zu Hause verwöhnt und meinen, sich nicht anstrengen zu müssen. Als Hauptschullehrer hatte ich in den Abschlussklassen meistens nur ein türkisches Mädchen, aber bis zu 5 oder 6 Jungen.
Detlef, 07.09.2010 16:14:
Ich sehe da keinen Widerspruch zu Sarrazins Thesen! Denn: Ein nicht unerheblicher Teil der angesprochenen Migranten kommt eben nicht!!! mit einem vergleichbaren sozialen Hintergrund nach Deutschland und mit dieser! Gruppe gibt es Probleme bei der Integration! Dem widersprichet die oben genannte Untersuchung doch auch nicht. So wie hier die Ergebnisse dargestellt werden, war dies scheinbar auch gar nicht Untersuchungsgegenstand. Hier ging es um Kinder, die den übergang schaffen und nicht um die, die nicht einmal den einfachsten Schulabschluss erreichen. Vielleicht sollte man genauer lesen! Grüße Detlef Dechant