Sind Schülerinnen und Schüler die besseren Nachhilfelehrer?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie kann man Kompetenzen, die Schülerinnen und Schüler zweifelsfrei haben, konstruktiv nutzen? Ein Projekt in dieser Hinsicht wurde an einem Koblenzer Gymnasium gestartet. Wenn ihre Klassenkameraden Feierabend machen, geht die Arbeit für rund 50 Schüler weiter: Gut 20 von ihnen schlüpfen in die Rolle von (Nachhilfe-)Lehrern, die anderen nehmen dankbar Tipps und Hilfen an. Erst seit ein paar Wochen läuft das Projekt, in dem ältere Schüler jüngere unterstützen - aber es trägt schon erste Früchte.

Als eine Lehrerin der Schule kürzlich ihr Projekt "Schüler helfen Schülern" vorgestellt hat, waren schnell einige Zehntklässler bereit, Schulkameraden aus den unteren Klassen in Mathematik oder den Fremdsprachen Nachhilfestunden zu geben. Zwar arbeiten sie noch nicht lange mit den Sechstklässlerinnen, aber dass es was bringt, da sind sie sicher. Die Rückmeldungen der anderen Lehrer aus dem regulären Unterricht haben es bestätigt. Einmal in der Woche treffen die "Schüler" und die "Lehrer" in der siebten Stunde aufeinander, einige mittwochs, andere donnerstags. Jeder der "Schüler" zahlt 1,50 Euro pro Nachhilfestunde, sodass sich eigentlich jeder diese Art der Nachhilfe leisten kann. Reich werden die Jugendlichen also nicht davon - aber die "Lehrer" bekommen zusätzlich ein Zertifikat und einen Eintrag über ihr soziales Engagement auf dem Zeugnis, was bei Bewerbungen natürlich aufhorchen lässt. Die "Lehrer" haben alle in ihrem Fach eine mindestens gute Note, außerdem haben sie eine Empfehlung ihres Lehrers. Ich denke, das ist ein toller Ansatz, Kompetenzen nicht nur im sozialen, sondern auch im fachlichen Bereich zu fördern. Nicht zuletzt kann eine Stärkung der Schulgemeinschaft ein positiver Nebeneffekt sein.

Ihr

Gernot Herz

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Michael, 04.12.2009 09:52:
Immer wieder schön zu lesen, wie die Menschheit das Fahrrad ständig neu erfindet. Das Prinzip "Schüler helfen Schülern" war schon zu meiner Schulzeit (Abitur 1970) weit verbreitet. Einziger Unterschied: es kostete nichts und wir haben auch kein Geld dafür bekommen. Hübscher Nebeneffekt: Ich habe meine Frau in einem solchen "Lernzirkel" lieben gelernt. Und wir sind nun seit mehr als 40 Jahren zusammen. Man kann auch das als Beispiel dafür nehmen, welche Langzeiteffekte ein solches Projekt erzielen kann.