Stichwörter: Lesermail, Kollegenmeinung.

So haben Sie es gesehen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

natürlich geht es wie gewohnt in dieser zweiten Ausgabe im Monat wieder um die Mails, die Sie mir zu den verschiedenen Themen der letzten Editorials zugesendet haben.

Besonders heiß diskutiert wird von Ihnen und auch in den Medien das Thema Jugendstrafrecht. Im letzten Editorial habe ich mich darüber ausgelassen, dass dieses Thema anstelle des landespolitisch bedeutungsvollen Bildungsthemas das Rennen im Wahlkampf zu machen scheint. Dazu schreibt ein Leser, dass in „besseren Bildungschancen der Königsweg“ gesehen werde, der Gewaltproblematik entgegen zu wirken. Sicher wird das so nicht ausschließlich gesehen, aber zu Bildung gehört auch, wie man mit Konflikten im Schulbereich umgeht und ob man bereit ist, hier schon einen Grundstein für die außerschulische Welt zu legen. Dahingehend äußert sich eine Kollegien, wenn sie fragt, „wieso die Institution Schule so wenig Konflikte in der Schule selbst lösen (kann)“?

Dass die Herkunft, und hier nicht nur die nationale, eine Rolle spielt, davon ist ein Leser überzeugt und zitiert aus der Augsburger Allgemeinen: „Ob Deutscher oder Migrant: Die meisten stammen aus einem Milieu, das von Arbeitslosigkeit, Perspektivlosigkeit und Gewalt geprägt ist und in dem Erziehung nicht stattfindet." Hier trifft er sicher den Nagel auf den Kopf und unterstreicht dadurch auch einen Teil der PISA – Problematik, die ein Leser allerdings nicht auf bestimmte schwierige Milieus alleine bezogen sehen will, denn er berichtet aus eigener Erfahrung: „Gesellen Sie sich doch einmal zu den Erstsemester-Veranstaltungen, etwa bei uns an der Uni in Bochum, und staunen Sie, wie desolat die naturwissenschaftlichen Kenntnisse sind!“

Mit der Frage, wieso vom Schulwissen so wenig hängen bleibt, beschäftigte sich auch ein weiterer Leser und schlägt folgende Punkte zur Verbesserung vor, denen wir sicher mehrheitlich zustimmen können:

  • Reduzierung des Stoffes in den Bildungsplänen nach gründlicher Überarbeitung
  • Klare Vorgaben für die Lehrenden
  • Schaffen eines gesunden Schulklimas
  • Schulung der Lehrer im Verhalten den Schülern gegenüber
  • Möglichst viele Lernstoffe von den Schülern selbst erarbeiten lassen
  • Schüler so oft wie möglich selbst hantieren lassen
  • Lernen durch Tun als Unterrichtsprinzip so oft wie möglich realisieren
  • Schüler zum Vortragen ihrer Arbeitsergebnisse animieren
  • Präsentationsformen einüben
  • Gut vor- und nachbereitete Gruppenarbeit praktizieren
  • Der lustvollen Übung im Unterricht mehr Zeit einräumen
  • Absprachen unter Kollegen, die die Fächerverbünde unterrichten.

Hier sind wir sicher bei den eigentlichen und ureigensten Bildungsthemen angelangt, die ich im Wahlkampf der drei Bundesländer erwartet habe. Die ersten drei Punkten beinhalten unter anderem das, was andere Newsletter  - Rückmeldungen einfordern: Die Lehrerinnen und Lehrer müssen sich eines besonderen Erziehungsauftrages bewusst werden!

Dass es natürlich problematisch ist, diesen Auftrag auszuführen, wenn man Schülerinnen und Schüler mit verkorkstem Elternhaus nur halbtags und dann auch nur wenige Stunden unter seinen Fittichen hat, liegt auf der Hand. Das Klassenlehrerprinzip, das an vielen Schulen mit Erfolg realisiert wird, und die verstärkte Einführung von Ganztagsschulen mit wahlpflichtigen Freizeitangeboten am Nachmittag können hier ebenso Abhilfe schaffen, wie der Einsatz von Streetworkern im außerschulischen Bereich und von Jugendpflegern in den Schulen. Ob aber 15 Jahre als Höchststrafe  für Jugendliche das Problem auch nur ansatzweise lösen, wage ich zu bezweifeln.

Sind Sie anderer Meinung?

Schreiben Sie mir gerne an lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

Gernot Herz

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