Soziale Netze sind asozial
Liebe LehrerInnen,
„Ich habe nie verstanden, warum die Soziale Netzwerke heißen – Asoziale Netzwerke wäre doch viel passender“. Mit dieser Aussage überraschte mich mein Vater während seines letzten Besuchs.
Ich musste dabei direkt an zwei Situationen aus den letzten Monaten denken: Als unsere Tochter, die vor ihrem Laptop saß, urplötzlich in ein nicht mehr enden wollendes Schluchzen ausbrach. Der Grund: Eine befreundete Klassenkameradin hatte sie nach einem vorangegangenen harmlosen Zickenstreit in der Schule aus ihrer „Freundesliste“ bei schülerVZ gestrichen – offen sichtbar für alle anderen sich im selben Netzwerk tummelnden Bekannten.
Ähnlich die zweite Begebenheit, eine abendliche endlose Heulattacke, weil ihr Freund sich telefonisch ein paar Tage Auszeit gewünscht hat – für sie das Schlimmste dabei: Alle seine Freunde kannten diesen Wunsch schon vor ihr, nämlich über Facebook.
Und solche Situationen sind harmlos im Vergleich zu den Fällen von Cyber-Mobbing, die diesen Mittwoch im Fernsehen zu sehen waren: Dem Fall im preisgekrönten ARD-Film „Homevideo“ und dem, von dem die Mutter eines Suizid-Opfers in der anschließenden Sendung „Anne Will“ berichtet hat.
Social Media können das Leben (und auch Ihren Unterricht) bereichern, aber sie machen bei einem nicht verantwortungsvollen Umgang auch vielen, vor allem jungen Menschen, das Leben zur Hölle. Vielleicht können Sie die These „Soziale Netze sind asozial“ oder den Film „Homevideo“ (erste Wiederholung: Samstag, 22.10., 20.15 Uhr auf EinsFestival) als Grundlage für eine Diskussion mit Ihren Schülern nutzen.
Ich wünsche Ihnen spannende Unterrichtsstunden und ein schönes Wochenende!
Monika Rohn
Herausgeberin von „Unterrichten mit neuen Medien“
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