Spickmich und Co. - Radarfalle?!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Nach dem stark beachteten Start von www.spickmich.de starteten die Macher seit dem 8. April ein seriöseres, also weniger krawalliges „Schulradar". Eltern bewerten hier die Schulen ihrer Kinder in Kategorien wie individuelle Förderung, Gebäude/Ausstattung, Lehrkräfte, Schulleitung, unterrichtsbegleitende Aktivitäten und Schulklima.

„Die Seite soll auch eine Hilfe für Eltern sein, die gerade auf der Suche nach einer Schule für ihr Kind sind", sagt Bernd Dicks, der Gründer. Sie sollen sich orientieren, informieren und austauschen. Sucht zum Beispiel ein Vater eine neue Schule für seine Tochter, geht er auf die Seite, gibt in einer Maske den eigenen Wohnort ein und kann einen Umkreis bestimmen, in dem die zukünftige Schule liegen soll.

Wenn man allerdings auf die Seite klickt, dominieren dann doch die Schülerbewertungen, deren Kategorien ebenfalls einen seriösen Anstrich haben und sich mit Qualität der Lehrer, Schulgebäude, technische Ausstattung, Stimmung unter Mitschülern, Fächer/AG-Angebot, Schulleitung, Sportmöglichkeiten, Unterrichtsausfälle, Essensmöglichkeiten, Mitbestimmungsmöglichkeiten befassen.

Das Verhältnis von Schüler- zu Elternbewertungen deutet an, welchen Weg diese Seite wohl nehmen wird. Schüler dominieren die Bewertungen und es läuft auf eine weitere Plattform ähnlich der Spickmich–Seite hinaus. Bewertungen für Schulen sind grundsätzlich nicht verkehrt, laufen doch mittlerweile in vielen Bundesländern Evaluationen ab. Aber wie repräsentativ ist eine solche Bewertung? Einloggen kann sich jeder, auch ehemalige Schüler, Lehrer, Freunde und Bekannte. Einloggen kann man sich darüber hinaus als Vater, obwohl man Lehrer ist, als Schüler, obwohl man der Rektor ist. Also, verschicken Sie einfach an alle verfügbaren Email–Adressen die Aufforderung, sich dort einzuloggen, um einer geliebten/gehassten Schule auf diesem Weg die Tür zur Bewertungs-Top-Ten zu eröffnen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, Schulen müssen sich Bewertungen stellen und auch Kritik ertragen können, aber die Fragwürdigkeit des Zustandekommens dieser Ergebnisse ist nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht sollte man eine vergleichbare Seite im Internet anbieten, in die Bewertungen einfließen, die gemeinsam von Eltern-, Schüler- und Lehrervertretern einer Schule erstellt wurden und über einen zuvor zugeteilten Schlüssel eingegeben werden. Die Kategorien, die der Schulradar anbietet könnte man dann übernehmen. Das wäre annähernd repräsentativ, hätte aber zwangsläufig auch die Veröffentlichung unliebsamer Ergebnisse zur Folge.

Interessant ist, dass der Philologenverband diesmal von einer Klage absehen will, denn auch er scheint nicht wirklich eine Gefahr in dieser Seite zu sehen, anders als bei Spickmich. Allerdings, diese Klagen wurden alle mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit abgewiesen.

Letztendlich wird man solche Seiten nicht verhindern können und es werden weitere dieser Art folgen. Daher bleibt mir noch der Aufruf: Wenn Ihnen was an Ihrer Schule liegt, tun Sie sich zusammen und stimmen für Ihre Schule ab!

Haben Sie schon mal nach Ihrer Schule geforscht oder sogar für oder gegen sie abgestimmt? Denken Sie, dass solche Seiten einen Nutzen haben, außer der Tatsache, dass sie eine gute Geschäftsidee sind?

Schreiben Sie mir an

lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

Gernot Herz

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