Steht wirlich die Eroberung des Unterrichts durch PC-Spiele bevor?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Einsatz von Computer- und Videospielen im Bildungsbereich gewinnt zunehmend an Bedeutung, wie das Nachrichtenportal pressetext unter der Überschrift „Computerspiele erobern den Schulunterricht“ berichtet. Das verwundert eigentlich, denn bisher hatte man in diesem Zusammenhang eher an das Kinderzimmer gedacht. der Bericht deutet aber auch Vorteile, Gründe und Beispiele an, die diese Überschrift bestätigen wollen: Nachdem derartige Ansätze in Ländern wie Großbritannien bereits seit geraumer Zeit erprobt werden, hat es dieses Thema nun auch in Kontinentaleuropa auf die Agenda von Wissenschaft und Praxis geschafft. Um Lehrer und Eltern vom Potenzial von Videospielen im pädagogischen Umfeld zu überzeugen, hat die deutsche Spieleindustrie die Initiative "Spielen verbindet" ins Leben gerufen und ein kostenlos abrufbares Lehrer-Handbuch zum Download im Web bereit gestellt.

"Computerspiele steigern die Motivation von Schülern, fachliche Inhalte können besser vermittelt werden und es wird eine Reflexion über das eigene Mediennutzungsverhalten ermöglicht", erklärt Marco Fileccia, Lehrer und Koautor der wissenschaftlichen Studie "Computerspiele und virtuelle Welten als Reflexionsgegenstand von Unterricht", die im Auftrag der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen noch in diesem Jahr veröffentlicht werden soll.

Studie bestätigt positive Effekte

Mit dieser Einschätzung unterstützt Fileccia, der bereits seit vielen Jahren Computerspiele am Elsa-Brändström-Gymnasium in Oberhausen anwendet, eine Studie der Interactive Software Federation of Europe (ISFE) www.isfe-eu.org und des European Schoolnet www.eun.org , einem Netzwerk aus 31 europäischen Bildungseinrichtungen. Bei der aus dem Jahr 2009 stammenden Untersuchung wurden 600 Lehrer und ausgewählte Politiker aus acht verschiedenen Ländern zu ihrer Meinung in Bezug auf die Verwendung von Computerspielen im Schulunterricht befragt.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Computerspiele bei Schülern logisches Denken, kreative Problemlösung, deduktives Denken, Wettbewerb und gemeinsames Suchen nach Lösungswegen fördern können. Zudem würden Lerninhalte über das emotionale Erleben in Computerspielen besser erinnert. Emotionen wie Spannung, Aufregung, Freude, Neugier, Frustration oder Triumph könnten demnach in den Lernprozess eingebunden werden und auf diese Weise dazu beitragen, dass Lerninhalte besser im Gedächtnis der Schüler haften bleiben.

Ist ja alles schön und gut, aber von einer Eroberung des Unterrichts zu sprechen, soll wohl eher ein Verkaufsargument sein, denn nach meinen Erfahrungen liegt der Einsatz von Computerspielen, seien es Konsolen- oder PC – Spiele, unter 1 Prozent – vorsichtig geschätzt. Das Problem ist doch, dass die entsprechende Infrastruktur in vielen Schulen nicht vorhanden ist, wenn man einmal an die PC – Ausstattung mit Vernetzung denkt. Sicher fördern solche Spiele auch Kompetenzen, aber die meisten Kolleginnen und Kollegen werden sicher feststellen, dass es wichtigere Inhalte und Medien gibt, die im Unterricht erlernt bzw. eingesetzt werden. Eine Kooperation mit einem Hersteller ist darüber hinaus auch nicht überall möglich und unter Umständen eher kritisch zu bewerten.

Ihr

Gernot Herz

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