"Teufelszeug" als Unterrichtsmotor
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
das wird einige schocken, denn an den meisten Schulen gilt es als verbannungswürdiges Objekt, das nur dazu dient, zu drangsalieren oder unerlaubte Bilder oder Videos auszutauschen: das Handy. Im Unterricht hat es ausgeschaltet zu sein, an manchen Schulen sogar den ganzen Vormittag. Anrufe dürfen nur nach Rücksprache mit Lehrern erfolgen. Wird gegen die teilweise strengen Regeln verstoßen, wird das Gerät eingezogen und oft genug so lange einbehalten, bis es die Eltern persönlich abholen, um sich dann eine Belehrung anzuhören. Wie es dazu kam, dass es so ist und ob es gut ist, wie es ist, will ich hier nicht diskutieren, denn darüber wurden Worte genug gewechselt.
Viel interessanter ist, was eine aktuelle Studie der Fachhochschule St. Pölten www.fhstp.ac.at zeigt: Einerseits beschäftigen sich die Schüler durch den Einsatz von Handys aktiver mit dem Stoff, andererseits wird auch die Klassengemeinschaft gestärkt. Allein durch die Verwendung der Geräte sind die Schüler motivierter, so eines der Ergebnisse. Das Lernen wird aktiver und auch effizienter. Besonders überraschend scheint, dass auch der soziale Zusammenhalt untereinander durch den Einsatz von Handys gefördert wird. Denn wenn das Handy in anonymen Teams genutzt wird, fallen übliche soziale Probleme bei der Gruppenbildung weg - wie der Umstand, dass die Kinder meist nur mit bestimmten Mitschülern zusammenarbeiten wollen.
Neben sozialen und schulischen Vorteilen kann das Handy-Lernen laut der Untersuchung auch einen gute Möglichkeit bieten, Kinder und Jugendliche zu körperlichen Aktivitäten zu motivieren. Häufig leiden Jugendliche unter Bewegungsmangel. Doch im Zuge der Feldstudie ließen sich die teilnehmenden Schüler zwischen elf und 16 Jahren mit Freude zu einer Rätselrallye motivieren, berichten die Forscher.
Da gerät kein Weltbild ins Wanken und Unterricht kann ohne oder mit Handy gut und auch schlecht sein. Interessant ist allerdings, dass ein Alltagsgegenstand solche Potentiale freisetzen kann. Außerdem gehört auch die sinnvolle Handy-Nutzung zu einem Bestandteil der Medienerziehung.
Ihr
Gernot Herz
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