Thema Schülerzeitungen: Grenzen und Räume der Meinungsfreiheit

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

aus Angst vor schlechten Noten geben die Macher von Schülerzeitungen oft nach, wenn Schulleiter ihre Texte lesen und ändern wollen. Für engagierte Jugendliche ist das Zensur - in Berlin verließen vier Nachwuchsjournalisten deshalb gar ihre Schule, mit viel Wut im Bauch. Alles fing mit einem ganz normalen Artikel an, den Niklas Wuchenauer für seine Schülerzeitung „Dürer!" schrieb. Darin beschwerte er sich darüber, wie chaotisch die letzte Schülersprecherwahl gelaufen war, berichtet Spiegel online.

Wie weit dürfen Redakteure von Schülerzeitungen überhaupt gehen? Sollen sie die gleichen Freiheiten haben wie reguläre Journalisten? Wann soll/muss/darf ein Schülerzeitungsartikel „zensiert“ werden? Ziel der Schule ist es, die Schülerinnen und Schüler zu kritischer Betrachtung der Umwelt zu erziehen und dahingehend auch die eigene Meinung in angemessener Form zu vertreten. An vielen Schulen ist es schwierig, überhaupt noch Schülerzeitungen zu betreiben. Was an Gymnasien wohl noch nicht in der Form eingetreten ist, lässt sich an Sekundarschulen (Hauptschulen, Realschulen usw.) schon eher beobachten: Es gibt immer weniger Schülerinnen und Schüler, die sich mit schwieriger Textarbeit, Recherchen und Reportagen beschäftigen wollen. Das führt dazu, dass die meist in AG - Form angebotenen Schülerzeitungen eingestellt werden.

Wie kann man Schülerinnen und Schüler ermutigen bzw. motivieren, sich eines so wichtigen Themas anzunehmen? Sicher gehört dazu, sie in ihrer Kreativität und ihrer kritischen Betrachtungsweise zu unterstützen. Klar muss aber auch sein, dass sie sich des möglichen Echos auf Veröffentlichungen bewusst sein müssen. Gerne werden Schülerzeitungen auch genutzt, um Kritik in Form des „Durch-den-Kakao-Ziehens“ von Lehrerinnen und Lehrern zu äußern. Hier gerät man schnell in den Bereich, wo Ironie bzw. Satire die Grenze zu Beleidigung überschreiten kann. Nicht jede Kollegin oder Kollege reagiert gleich auf versteckte oder gar offene Kritik. Auch hier wird ein Bildungsgehalt im Zusammenhang mit der Arbeit an Schülerzeitungen deutlich. Deshalb ist es wichtig, dass Schulen die Bildung und den Erhalt von Schülerzeitungen unterstützen, nicht zuletzt, da sie auch das Image einer Schule nach außen prägen können - im positiven, eventuell auch im negativen Sinn.

Ihr

Gernot Herz

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