Türkische Schulen - eine Lösung?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
die größte Gruppe der Migranten in der Bundesrepublik sind die Türken. Seit der Änderung des Staatsbürgerschaftsrechts werden immer mehr von ihnen deutsche Staatsbürger. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass für diesen Teil der Bevölkerung hinsichtlich der Bildungschancen genau die Probleme akut sind, die von der OECD konstatiert werden:
- herkunftsbedingte Startprobleme
- mangelnde Sprachkenntnisse.
Dass die türkischen Eltern in Deutschland gar nicht so bildungsfern sind, zeigt die Diskussion um türkische Schulen in Deutschland. Die Aufsehen erregende Rede des türkischen Ministerpräsidenten in der Köln - Arena in der letzten Woche hat wie Öl in das Feuer der Diskussion gewirkt, denn er forderte türkischsprachige Gymnasien und Universitäten in Deutschland. Ist das der richtige Weg? Landläufig wird gefordert, dass jemand, der in ein Land einwandert auch dessen Sprache zu lernen hat, damit er Teil der neuen Gesellschaft wird. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von der Gefahr der Parallelgesellschaften.
Tatsächlich gibt es so etwas wie türkische Gymnasien, denn bundesweit empfangen sechs Privatgymnasien ihre Schüler in Berlin, Köln, Hannover, Eringerfeld bei Paderborn, Stuttgart und Mannheim. Betrieben werden sie von deutsch – türkischen Bildungsvereinen und sie unterrichten auch deutsche Schüler ohne türkischen Migrationshintergrund. Als Beispielhaft wird in den letzten Wochen eine Schule in Baden – Württemberg genannt: „An der SEMA-Privatschule in Mannheim sieht der Alltag anders aus, als sich Bürger und Politiker dies in der hitzigen Debatte vorstellen. Die Unterrichtssprache ist Deutsch, es gibt keinen Islamunterricht, sondern weltanschaulich neutrale Ethikstunden, und der Unterrichtsinhalt richtet sich nach dem Bildungsplan 2004 für Realschulen und Gymnasien in Baden-Württemberg – ganz so, wie es sich für eine staatlich genehmigte Privatschule gehört.“ (Focus – Online)
Ist das der Schulschreck, den man hinter der Forderung des türkischen Ministerpräsidenten vermutet? Dafür sollte man sich einmal vor Ort informieren und sich selbst ein von den Medien ungefiltertes Bild machen. Unter http://sema.curali.de/ stellt sich diese Schule vor. Über die Navigationsleiste kann der argwöhnische Besucher ja mal überprüfen, wes Geistes Kind diese Schule ist, denn der Vorwurf mangelnden Integrationswillens setzt sich schnell im Hirn fest, wenn man ihn nur oft genug hört.
Wo kann ich meinen Verdacht denn bestätigt finden?
Unter „Über uns“ steht der eindeutige Satz „Die SEMA - Schulen sind weltanschaulich neutral. Deshalb wird an unseren Schulen auch kein Religionsunterricht, sondern – für alle Schüler verbindlich – das Fach Ethik angeboten.“ Na ja, den christlichen Kirchen wird das nicht gefallen, aber einen „Aha – Effekt“ hat man hier doch, denn es wird individuell gefördert und die Lernergebnisse regelmäßig evaluiert! Auch die „Links“ sind völlig unverdächtig! Kann man vielleicht im Gästebuch einen Hinweis auf mangelnden Integrationswillen finden? Auffällig ist hier besonders ein Eintrag: „Nachdem wir in Istanbul das private Schulsystem kennen- und seine Vorteile schätzen gelernt haben, bin ich fest überzeugt, dass diese Schule eine gute Zukunft haben wird. Die Eltern aller Nationalitäten wollen für ihre Kinder gute Voraussetzungen in Deutschland und die werden sie nur durch eine gute Bildung erreichen. Diese Schule hat Vorbildcharakter. Ich wünsche mir, dass sich gute Pädagogen hierher bewerben und das umsetzen, was die Initiatoren, das LERNZENTRUM UND DER DEUTSCH TÜRKISCHE BILDUNGSVEREIN in Mannheim erreichen wollen. Mit den besten Wünschen für guten Erfolg
Regina Trösch - Stadträtin CDU Mannheim“.
Letztlich scheint diese Schule das zu sein, was die vielen Privatschulen in Deutschland sind: eine Antwort auf die Mängel des deutschen Bildungssystems und sicher momentan der beste Kompromiss für Migranten, die für ihre Kinder an deutschen Regelschulen keine gerechten Bildungschancen sehen.
Allerdings, es wird ein Schulgeld erhoben und die Empfehlung der Grundschule für den Besuch des Gymnasiums oder der Realschule ist die Voraussetzung, womit der Zugang für Kinder aus den sogenannten bildungsfernen Elternhäusern leider versperrt ist.
Wie sehen Sie die aktuelle Diskussion? Welche Ideen haben Sie, um das Problem der Integration aus schulischer Sicht anzugehen?
Schreiben Sie mir an
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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