Stichwörter: OECD, Studie, Arbeitsbedingungen.

Über das Leiden der Lehrer in aller Welt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Lehrer verbringen einen guten Teil ihrer Zeit damit, für Ruhe im Klassenzimmer zu sorgen. Der Unterricht wird laufend durch Schwänzen, Verspätungen, Fluchen und Beleidigungen durch Schüler behindert. Ungezogene Schüler und desinteressierte Kollegen und Vorgesetzte machen den Lehrern am meisten zu schaffen. Das kennen Sie aus eigener Erfahrung sicher auch, allerdings wurden die Kolleginnen und Kollegen in Deutschland un der Schweiz überhaupt nicht zu dieser Problematik befragt.

Der Talis-Bericht der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), eine Ergänzung zur Pisa-Studie, stellt zum ersten Mal international vergleichbare Daten über die Arbeitsbedingungen an Schulen zur Verfügung. An der Studie haben teilgenommen: Australien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Dänemark, Estland, Island, Irland, Italien, Litauen, Malaysia, Malta, Mexiko, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südkorea, Türkei und Ungarn.

Die wichtigsten Resultate von Talis:

  • Drei von vier Lehrern vermissen Anreize, um ihren Unterricht zu verbessern.
  • In drei von fünf Schulen stört das schlechte Benehmen der Schüler die Wissensvermittlung
  • Etwa 13 Prozent der eigentlichen Unterrichtszeit gingen verloren, weil die Pädagogen für Ruhe im Klassenzimmer sorgen müssen
  • Der Unterricht wird vor allem durch Schwänzen, Verspätungen, Fluchen und Beleidigungen durch Schüler behindert.
  • 45 Prozent der spanischen und 55 Prozent der italienischen Pädagogen gaben an, keinerlei Rückmeldung über ihre Arbeit zu erhalten.
  • Drei von vier Lehrern bemängeln, dass schlechte Kollegen nicht entlassen oder versetzt würden.

Die OECD, die bei der Studie von der EU-Kommission unterstützt wurde, fordert deswegen die Einführung von systematischen Beurteilungssystemen. Gegen mangelnde Disziplin empfehlen die Experten neben kleineren Klassen eine klare Struktur des Unterrichts, um das Interesse der Schüler zu erhöhen.

Auch wenn Lehrkräfte in Deutschland und der Schweiz nicht befragt wurden, ist zu mutmaßen, dass sie die oben genannten Ergebnisse sicher mit einer vergleichbaren Quote unterschreiben würden.

Ihr

 

Gernot Herz

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Corina, 30.06.2009 10:24:
Sehr geehrter Herr Gernot Herz, von welcher Schule sprechen Sie? Ganz sicher nicht vom Gymnasium. Mein Sohn geht ins Gymnasium und dort geht es gesittet und gut zu. Ich denke nicht, dass dort diese Probleme auftauchen. Es sind ganz andere Dinge die mir zu Denken geben. Im Unterricht wird ein Thema bearbeitet, auf dieses Thema wird glernt. Es ist ein riesen Stoff, den es zu bewältigen gibt. Man lernt. In der Klausur wird dann dieses besagte Thema angeschnitten, aber dann kommen Fragen, die nicht zu dem gehören, was von den Lehrern angeben wurde. Man lernt z.B. ganz Napoleon, Karlsbader Beschlüsse , Wiener Kongress, Preußische Reformen u.s.w. Was ist in der Klausur gefragt? England und seine Erfindungen, mit Lückentext, den keiner zuvor zu Gesicht bekommen hatte. Danke! Das heißt: Ich mache den ganzen Igel durch und im Test kommt der Unterschied zwischen Igel und Katze. Das Lernen macht Freude. was will man eigentlich?? Das ist meine Frage zum Thema Schule? Möchte man die Kinder fertig machen? Es gibt keine dummen Kinder, es gibt bald nur noch frustrierte Kinder, die unsere Rente irgendwann bezahlen sollen. Wir haben es weit gebracht. Gratulation. m.g.h. Frau Fuchs
Günter, 30.06.2009 14:56:
Corinna gibt einer Frustration Ausdruck, welche ich in meiner Rolle als Vater nur zu gut kenne: es gibt sie wirklich, die schlechten Lehrer, die an ihre Schüler Ansprüche stellen, denen sie selbst nicht (mehr) aussetzen. Man muss aber tiefer schauen und nach den Gründen fragen. Und ebenso gibt es die strebsamen, fleißigen, guterzogenen, disziplinierten Schüler, von denen Corinna schreibt. Demzufolge kann ich -als Lehrer- die Klagen der internationalen Kollegen überhaupt nicht teilen, da ich -Gottlob- diese Probleme nicht habe. Was mir am meisten aber zusetzt, das ist die fehlende Wertschätzung seitens der Dienstvorgesetzten (Schulleitung und Behörde)und die fehlende berufliche Perspektive. Bei einigen Kollegen äußert sich das dann in ebendieser Haltung, die Corinna beklagt.
Angelika, 03.07.2009 13:28:
Sehr geehrter Herr Herz, Sie haben in vielen Dingen Recht und aber auch nicht. Schüler und lehrer brauchen Motivation und Anerkennung! Diese Schulkultur ist leider irgendwie verloren gegangen. Vorgesetzte kümmern sich nicht um i h r e Schule, Schüler sehen ihre Perspektiven nicht, die rahmenbedingungen stimmen nicht und es wird alles zerredet oder unter den Tisch gekehrt. Aber am Tisch darüber sprechen, dazu ist angeblich nicht die Zeit. Ich habe täglich gute und weniger gute Ewrlebnisse und reflektiere die Ursachen. Zumeist sind es die Kommunikationprobleme. Ich wünsche mir für meine kolleginnen und Kollegen auch die Zeit für Gespräche und ich wünsche mir, dass die Schüler wieder vertrauen in die schule haben! Sie soll für das Leben lehren !
Wolfgang, 03.07.2009 16:33:
Sehr geehrter Verfasser, liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen! Seit 41 Jahren bin ich im Schuldienst, die letzten 32 Jahre als Lehrer an Sonder- bzw. Förderschulen. Ich habe wichtige Erkenntnisse gewonnen: Schüler und Schülerinnen wollen als kleine Persönlichkeiten anerkannt werden, die mit liebevoller Konsequenz positive Persönlichkeitseigenschaften annehmen. Natürlich vollzieht sich dies nicht ohne Konflikte und vorübergehende Einsichtslosigkeit. Aber Kinder und Jugendliche erkennen sehr schnell das Wesen, die Zielstrebigkeit und die Zuneigung eines Lehrers, der sie auf ihrem Entwicklungsweg begleitet, fordert und fördert. Dessen sollte sich jede Lehrkraft bewusst sein.
Gesine, 25.09.2009 17:51:
Gernot, du schreibst mir recht einseitig bezüglich der "Schuldfrage". Auch wenn ich zugeben muss, deine Artikel oft sehr gerne zu lesen. Aber sind es wirklich meistens die "frechen" Schüler? Sollte nicht mal in Erwägung gezogen werden, die Arbeit und das Engagement der einzelnen Lehrer einem "Bewertungssystem" zu unterziehen? lg, Gesine (gesine1978 at web.de)