Über die (berechtigten?) Sorgen des Philologenverbandes

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach dem Votum der Grünen im Saarland für eine Jamaika-Koalition und nach den Meldungen über die bisherigen Sondierungsgespräche zwischen CDU und Grünen hat der DPhV-Bundesvorsitzende, Heinz-Peter Meidinger, die Union davor gewarnt, "im künftigen Koalitionsvertrag ihre schulpolitischen Grundsätze über Bord zu werfen und ihre bildungspolitische Seele an die Grünen zu verkaufen." 

Meidinger prognostizierte einen massiven Vertrauensverlust für die Saar-CDU, sollte sie die von ihr selbst immer gelobte und mitgetragene Verfassungsgarantie für die Vielfalt der weiterführenden Schularten im Sekundarstufenbereich kippen. "Eine Landesverfassung darf nicht kurzerhand ohne vorherige intensive Diskussion zum Spielball und zur Verfügungsmasse von Koalitionsverhandlungen degradiert werden“, betonte der DPhV-Bundesvorsitzende. “Was soll der mündige Bürger von einer Partei halten, die als Verfechter eines gegliederten Schulwesens in die Wahlen gezogen ist und jetzt nach den Wahlen offenbar das Bildungsressort an eine Partei abtreten will, die sich die schrittweise Einführung einer Einheitsschule auf die Fahnen geschrieben hat?"

Es sei erstaunlich, wie schnell sich die CDU im Saarland von ihrem einstigen Lieblingsprojekt des verkürzten Gymnasiums zu verabschieden bereit sei, um den Machterhalt zu sichern. 

Der DPhV-Chef richtete den dringenden Appell an CDU und FDP, ihr programmatisches Versprechen, die Gymnasien vollständig zu erhalten, auch nach den Wahlen einzuhalten und dem Saarland einen teuren Schulstrukturkampf zu ersparen, der mehr Schaden als Nutzen anrichtet. "Die verlängerte Grundschule hat in Berlin und Brandenburg weder zu besseren Leistungen noch zu mehr Bildungsgerechtigkeit geführt. Im Gegenteil: In beiden Bereichen finden sich diese Bundesländer am Ende der Ranglisten bei PISA wieder", sagte Meidinger. www.dphv.de/index.php?id=20&tx_ttnews[tt_news]=256&tx_ttnews[backPid]=16&cHash=56ddca450e

Die Sorgen des DPhV - Chefs sind sicher begründet, denn macht doch erstens die Bildungspolitik schon fast den Kern der Eigenständigkeit eines Bundeslandes aus und zweitens sind CDU und Grüne in ihren bildungs- bzw. schulpolitischen Konzepten höchst unterschiedlich. Eine Attacke auf das Gymnasium werden sie aber wohl im Saarland nicht reiten, auch wenn sich die CDU die Zustimmung der Grünen zum Machterhalt sicher etwas kosten lässt. Die Nachfrage nach der gymnasialen Ausbildung ist in allen Bundesländern - auch im Saarland - stabil hoch. Wichtiger ist eher die Frage, wie es im Schulsystem unterhalb des Gymnasiums weiter geht. Da hat noch kein Bundesland das Rad neu erfunden. Aber mit einer Renaissance der Hauptschule, dem ungeliebten Kind aller Eltern schulpflichtiger Kinder wird auch im kleinen Saarland kein Staat zu machen sein, nachdem diese Schulform - nicht nur dort - durch die Erweiterten Realschulen ersetzt wurde.

Ihr

 

Gernot Herz

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