Über mögliche Forderungen an den Bildungsgipfel 2010
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
seit Jahren sinken die Ausgaben beispielsweise für Bildungsmedien kontinuierlich. Die Ausstattung der Schulen wird nicht nur immer schlechter, sondern Schule bedeutet in Deutschland immer mehr, Mangel zu verwalten. Die angestrebte Erhöhung der Bildungsausgaben ist aktuell wieder in Frage gestellt, sogar gleich bleibende Ausgaben bei sinkenden Schülerzahlen. Jede erneute Kürzung ist unverantwortlich, zumal in diesem Jahr auch die privaten Investitionen, die 20 Prozent der gesamten Bildungsausgaben ausmachen, um drei Prozent zurückgegangen sind.
Diese Ausführungen würden Sie sicher auch unterschreiben, auch wenn es mit Sicherheit Schulen gibt, die solche Klagen nicht kennen. Von wem diese Forderung unter der Überschrift „Keine weiteren Kürzungen der Bildungsausgaben“ stammt, werden sie sicher nicht ahnen: vom Geschäftsführer des Cornelsen – Verlags, Wolf-Rüdiger Feldmann, der anlässlich des Bildungsgipfels am 10.6.10 Position zu den dringlichsten Aufgaben der Bildungspolitik bezieht. Sicher, dahinter stecken insbesondere wirtschaftliche Interessen, auch wenn in der Presseveröffentlichung des Verlags die Rede davon ist, dass Cornelsen seit sechs Jahrzehnten Verantwortung für das Thema Bildung übernehme. Ich denke, dass das Bildungswesen damit einen starken Partner gegenüber dem drohenden Finanzdiktat in der Bildungspolitik hat.
Ein Thema, mit dem Kolleginnen und Kollegen seit Jahren drangsaliert werden, spricht Feldmann auch an: Unser Bildungssystem nimmt in den verschiedenen Bundesländern ganz unterschiedliche Entwicklungen, die häufig noch mit jeder Legislaturperiode schwanken. Eine Profilierung Einzelner geht zu Lasten der Lehrerinnen und Lehrer, der Schülerinnen und Schüler. Für alle Bildungsakteure ist das föderalistische Schulsystem auch eine Belastungsprobe. Anstelle weiterer Strukturdebatten und Ressourcenverschwendung für organisatorische Maßnahmen brauchen wir eine nationale Anstrengung, um individuelle Förderung auf Schülerebene umzusetzen.
Unterschreibe ich sofort und andere sicher auch, aber es steht zu befürchten, dass sich daran nichts ändern wird, da die Bildungshoheit als letzte Säule des Föderalismus quasi die Kernkompetenz der Bundesländer ausmacht. Auch wenn der Begriff Kompetenz manchmal eher unpassend erscheint.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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