Umgang mit dem Rauchverbot
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
"Rauchen ist im Schulgebäude und auf dem Schulgelände nicht gestattet."
Das gilt für Schüler, Lehrkräfte, Hausmeister, selbst Lieferanten und Brötchenverkäufer auf dem Schulhof. Keine Raucherecken mehr, kein Paffen im Lehrerzimmer, auch nicht in der Teeküche der Schulsekretärin. So klingt es aus Hessen. Als erstes Bundesland hat Berlin im Juni 2004 ein Rauchverbot an Schulen beschlossen. Das Rauchverbot ist jedoch umstritten, zumal es von oben verordnet wurde, und wird besonders an Berufsschulen vielfach individuell unterlaufen. Aber viele Schulen schmücken sich schon länger mit dem Prädikat „rauchfrei“.
Auch bei uns in Rheinland – Pfalz munkelt man, dass das Rauchen in Schulen endgültig für Schüler und Lehrer verboten wird. Der Arm des Gesetzes hat den Hals der Raucher erreicht und will nicht nur die Jugendlichen zur Räson bringen, sondern auch die Lehrerinnen und Lehrer. Auch die dürfen sich nicht mehr selbst schädigen, denn sie seien schließlich Vorbild. Oh Raucherzimmer, du schöne Oase der Ruhe, ade? Kann das denn war sein? Wen stört es, wenn Raucher unter sich sind? Sicher, es gibt genug Kolleginnen und Kollegen, die den Rauchern trotz Absonderung oder gerade wegen dieser ein totales Verbot an den Hals wünschen.
Wo geht der Lehrer aber dann hin? Er muss schließlich das Schulgelände verlassen. Setzen wir uns gemeinsam während der Pausen ins Auto und drehen ein paar Runden? Gehen wir ins örtliche Cafe während unserer Freistunden? Halt, nein, da ist's ja auch verboten! Also gehen wir auf die Straße vor der Schule und rauchen in Blickweite der Schüler oder wir suchen sogar deren heimliche Raucherecken auf! Sie merken, ich rauche selbst und es ärgert mich, derart in meiner Freiheit eingeschränkt zu werden, sehe aber ein, dass es so kommen musste. Inzwischen gebe ich ein Vermögen für Zigaretten aus oder nutze jegliche Möglichkeit, um an billigere ausländische Zigaretten zu kommen. Vielleicht höre ich letztendlich sogar auf zu rauchen, weil ich im kommenden Winter nicht draußen, in sehnsüchtiger Erinnerung an das gemütliche Raucherzimmer meine Kippe reinziehen möchte.
Was ist aber mit den Schülern, die ab 1.9.07 grundsätzlich erst mit 18 Jahren rauchen dürfen, was bedeutet, dass nahezu keiner unserer Schüler überhaupt noch Zigaretten mit sich führen darf? Hören die etwa plötzlich auf, nachdem die Zahl jugendlicher Raucher angeblich zunimmt? Müssen wir als Lehrer dann härter durchgreifen? Ich bin mir sicher, dass es immer Raucher an Schulen geben wird. Wenn wir beginnen, die eine heimliche Raucherecke auszuheben, wird woanders geraucht. Es bleibt eine Art Verfolgungsrennen, dass die Lehrerinnen und Lehrer viel Energie kostet und den Schülern Spaß macht. Denn, welche Möglichkeiten haben wir denn wirklich, das Rauchen zu unterbinden? Strafen, die verwaltet werden müssen und Eltern, die ihren Kindern dennoch das Rauchen erlauben, machen ein Vorgehen dagegen zur Sisyphos – Arbeit.
Letztlich bleibt die Hoffnung, dass das Rauchen durch vermehrte Verbote, Einschränkungen und preisliche Maßnahmen allen Rauchern – auch mir – so vergällt wird, dass es irgendwann Geschichte ist.
Wer´s glaubt wird selig, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.
Wie wird mit dem vorhandenen oder dem nahenden Rauchverbot an Ihrer Schule umgegangen? Was machen die ehemals rauchenden Kollegen jetzt? Ist Ihre „rauchfreie Schule“ wirklich rauchfrei?
Schreiben Sie mir an
Ich würde mich freuen.
Ihr
Gernot Herz
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