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Utopie versus Realität: Streit um Deutschquote an Schulen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

diese ZDF - Meldung oder ähnlich lautende haben Sie sicher auch in der letzten Woche vernommen: Schulen, an denen kaum noch Deutsch gesprochen wird - viele Eltern meiden sie. Grünen-Chef Cem Özdemir fordert nun eine Mindestquote von Kindern mit guten Deutschkenntnissen an Problemschulen. "Schulen in sozialen Brennpunkten müssen für Mittelschichtsfamilien attraktiver werden", schreibt Özdemir in einem Beitrag für die "tageszeitung". "Ansonsten stimmen die Eltern mit den Füßen ab." Das verschärfe die gesellschaftliche Aufspaltung. In Berlin-Wedding hatte eine Grundschule, in der fast 90 Prozent der Kinder aus Einwandererfamilien kommen, vor kurzem eine Deutsch-Garantie beschlossen. 2010 garantiert sie den Eltern, dass die Hälfte der Schüler Deutsch als Muttersprache sprechen. Özdemir schreibt, Klassen für Kinder mit guten Deutschkenntnissen könnten ein Weg sein. Dies nütze auch den Kindern, die weniger Deutsch können. "Gerade sie profitieren von diesem Umfeld mit am stärksten, ohne dass es den anderen Kindern schadet."

Dagegen lehnte Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfang Schuster das Modell ab: "Die Quote in der Schule setzt viel zu spät an und bleibt an der Oberfläche des Problems", schreibt der CDU-Politiker in derselben Zeitung. In Stuttgart, wo 40 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund hätten, sei Sprachförderung Kernaufgabe im letzten Kindergarten-Jahr. Zudem müssten die Milieus durch eine zielgerichtete Wohnungspolitik bewusst gemischt werden. "Wenn Türken, Kroaten, Griechen, Aussiedler und Deutsche in einem Haus leben und keine Gruppe dominiert, dann verständigen sich alle auf Deutsch", sagte Schuster.

Was Özdemir fordert und in Berlin - Wedding beschlossen wurde, ist sicher ein wünschenswertes Ziel, aber für die ferne Zukunft. Flächendeckend lässt sich das Angebot sicher nicht aufrecht erhalten und würde angesichts der Realität sicher zu unerwünschten Effekten führen. Es ist einfach eine Tatsache, dass es Schulpflichtige gibt, die noch nicht ausreichend Deutsch sprechen. Wohin sollen die denn verschoben werden? Oder aber, die Verantwortlichen besinnen sich auf das, was im Zuge der Aussiedlerzuwanderung doch ganz passabel funktioniert hat und geben ausreichend Stunden für gesonderten Unterricht in Deutsch als Fremdsprache frei. Dafür fehlen dann aber die nötigen Lehrkräfte.

Ihr

 

Gernot Herz

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Gerhard K., 10.11.2009 17:56:
Aber hallo! Problem relativ spät erkannt und gleich wieder über zwangsweise Umverteilung von Staats wegen nachgedacht?! Da bekommen wir aber ein kleines Problem mit den Eltern von den Kindern mit altersgemäß gut entwickeltem Deutsch. Bleibt da denn nicht wieder ein guter Teil möglicher Förderung für Sprachbegabte auf der Strecke, wenn ein verwaltungstechnisches Verteilungsverhältnis von gut und weniger gut bis gar nicht Deutsch sprechender Kinder zusammengestellt wird? Die Überlegungen um entsprechenden, bedarfsgerechten Förderunterricht finde ich deutlich besser. Wenn die 20 € Kindergelderhöhung, die es ab nächstem Jahr gibt, für Kinder abgegeben werden müssten, die nachweislich Förderunterricht benötigen, lässt sich damit sogar ein Grundstock für privaten Sprachunterricht generieren. Nicht alles muss an der und durch die allgemein bildenden Schulen geleistet werden. Freundliche Grüße! G.U.
Hellfried, 14.11.2009 18:51:
Das Problem hätten wir nicht, wenn, wie in anderen Ländern üblich, eine Einwanderung nur bei ausreichenden Sprachkenntnissen gewährt würde.