Verbale Grenze bei Jugensprache?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

manchmal ist es, selbst für hartgesottene Gemüter, kaum auszuhalten, wenn Schülerinnen und Schüler Freundlichkeiten austauschen. Für männliche „Gesprächspartner“ wird dann das „W – Wort“ und für die weiblichen Pendants das „F – Wort“ verwendet. Sie können sich sicherlich die entsprechenden Wörter vorstellen bzw. kennen sie aus eigenem Erleben. Ob diese Bezeichnungen dann die Spitze des Eisbergs unflätiger Schülersprache darstellen, das sei mal dahin gestellt. Kolleginnen und Kollegen haben sicher unterschiedliche Antennen, was solche Sprachverwirrungen angeht. Aber sind solche Beschimpfungen noch zu ertragen? Wie geht man dagegen vor? Sollte man sie notieren und gegebenenfalls die Eltern damit behelligen oder die entsprechenden „Absonderer“ sofort damit konfrontieren? Ich denke, die Entscheidung liegt hierbei nahe, denn jede Lehrerin und jeder Lehrer legt für ihren/ seinen Unterricht bzw. Ohren selbst und unmissverständlich fest, was zu akzeptieren ist und wo die Gürtellinie anfängt.

Wie sieht es aber mit scheinbar „eingebürgerten“ Verbalinjurien aus?  Das Wörtchen „geil“ sei hier exemplarisch angeführt. Ist ein solcher Begriff im Unterrichtsgespräch oder als Kommentar für Lehrerohren geeignet? Ich kann mich an die Zeit erinnern, als dieses Wort den Höhepunkt der Beliebtheit erreichte, denn damals war ich selbst Schüler und es war klar, dass dieses Wort in Gegenwart von Eltern und Lehren nicht verwendetet werden sollte oder gar durfte. Eine englische Popband besang damals das vermeintliche Lieblingswort der Deutschen. Jeder hat „geil“ als Adjektiv für alles Erdenkliche verwendet, nur nicht im sexuellen Sinne. So hat es sich eingebürgert und wird heute teilweise vom Lehrpersonal selbst verwendet. Schlimm? Sogar in einschlägigen Deutschbüchern finden sich im Zusammenhang mit etymologischen Übungen Sprachtbetrachtungen zu diesem Wort.

Worauf ich hinaus will? Wo ist die verbale Grenze? Kann aktuelle Jugendsprache bzw. die beliebte Ghettosprache im Unterricht toleriert werden? Ist der so genannte Soziolekt, der die Sprache bestimmter sozialer Gruppen bezeichnet, im Unterricht an deutschen Schulen tragbar oder sollte man strikt auf einwandfreies Hochdeutsch achten? Wie sieht es dann in Gegenden aus, wo Lehrerinnen und Lehrer und auch Schüler dialektgefärbt sprechen? Auch mit solchen Sprachphänomenen beschäftigen sich Deutschbücher. Sogar die GEW hat Unterrichtsvorschläge zur Jugendsprache im Unterricht entworfen. Noch gar nicht angesprochen sind dabei die „SMS – Sprache“ bzw. die „Email – Sprache“.

Es ist sicherlich unbestritten, dass diese Sprachphänomene in der Schule nur bedingt abschaltbar sind. Aber wie weit geht die Toleranz? Akzeptieren wir, wenn Schülerinnen und Schüler sich mehr oder weniger abfällig mit dem Nachnamen ansprechen – es gibt Kollegen, die machen das auch - oder ist schon das im Keim zu unterbinden? Gibt es überhaupt Erfolg versprechende Methoden, um der Sprachentgleisung in der Schule zu begegnen?

Schreiben Sie mir an

lehrerforum@vnr.de.

Ich würde mich freuen.

Ihr


Gernot Herz

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