Verkehrte Welt?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach der neuesten Untersuchung der Europäischen Union verdienten Männer in der Bundesrepublik im Jahr 2004 rund 23 Prozent mehr als Frauen. Fünf Jahre zuvor hatte der Abstand noch bei unter 20 Prozent gelegen. Im EU-Durchschnitt ging dagegen in der gleichen Zeit der Verdienstvorsprung der Männer um einen Prozentpunkt auf 15 Prozent zurück. Eine zeitgleich in Berlin vorgestellte Studie des Bundesfamilienministeriums zieht eine weitere deprimierende Bilanz: Frauen auf dem Chefsessel sind immer noch die Ausnahme. In der obersten Leitungsebene zum Beispiel bei Geschäftsführern oder Filialleitern von Großbetrieben liegt der Frauenanteil bei verschwindend geringen vier Prozent. In Kleinstbetrieben mit bis zu neun Mitarbeitern haben Frauen in diesem Bereich noch die besten Chancen: Dort besetzen sie 26 Prozent der Führungsposten. Auch in den neuen Bundesländern ist es um die Gleichberechtigung im Beruf offenbar nur ein wenig besser bestellt: Hier liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte bei 28 Prozent, im Westen liegt er bei 23 Prozent.

Diese oder ähnliche Ergebnisse waren in der letzten Woche in den deutschen Medien zu lesen. Interessanterweise wurden sie von der Bundesfamilienministerin von der Leyen, einer Exotin angesichts der Umfrageergebnisse, vorgestellt. Schauen wir aber einmal in den Bildungsbereich, stellen wir ohne große wissenschaftliche Erhebung fest, dass in diesem Bereich Frauen stark überrepräsentiert sind. Das beginnt im Elementarbereich, denn kaum einer wird von einem Erzieher seiner Kinder im Kindergarten berichten können. Ebenso sind die weitaus meisten Leitungsfunktionen hier mit Frauen besetzt. Kommen unsere Kinder in die Grundschule, werden sie fast immer von Lehrerinnen empfangen. Im Sekundarbereich gleicht es sich etwas mehr an, denn hier treffen wir mehr Männer an, wobei beispielsweise an unserer Schule der Frauenanteil höher ist, was bei der Wahl der Gleichstellungsbeauftragten jedes Jahr zu Gelächter führt. Komischerweise können sicher die meisten mit Schule Beschäftigten behaupten, dass Mädchen die besseren Leistungen in der Schule erbringen, den besseren Notenschnitt haben und die besten Abschlüsse machen. Kommen sie dann in die Arbeitswelt, müssen sie tatsächlich einen Kulturschock erleben, denn diese Welt wird von den Männern dominiert. Da scheint vielen dann nur die Flucht in den Bildungsbereich zu bleiben und der Kreis ist geschlossen. Immerhin können sie hier sicher sein, nicht schlechter als die wenigen männlichen Kollegen bezahlt zu werden.

Wie sieht Ihre Meinung zu dieser Thematik aus, die alljährlich am Weltfrauentag auf den Tisch kommt?

Schreiben Sie mir an

lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

Gernot Herz

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