Warum denken und handeln in schulformspezifischen Schubladen?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

von einem Hauptschüler wird weniger als von einem Realschüler verlangt, von diesem wiederum weniger als vom Gymnasiasten, und zwar nicht nur quantitativ, sondern – und dies ist ausschlaggebend – ebenfalls qualitativ. Die Lehrer denken und handeln in schulformspezifischen Milieus, die scharf voneinander abgegrenzt werden,  schreibt der Frankfurter Didaktiker Valentin Merkelbach in seinem Beitrag unter http://bildungsklick.de/a/73876/eine-neue-lehrerbildung-fuer-die-alte-schule/, wo er eine Umkehr der Lehrerbildung fordert, die seiner Meinung nach mit einer Verbesserung des Unterrichts eihergehen muss.  

Immerhin, kaum ein Kollege oder eine Kollegin wird von sich weisen können, dass in diesen Schubladen gedacht wird. Immerhin werden ja auch die Lehrkräfte unterschiedlich bezahlt, so spürt man das am eigenen Leib. Steht man vor einer großen Klasse, ist man meistens in einem Gymnasium. Muss man zum Schulleiter, da eine Arbeit mal wieder „unter dem Strich“ war, ist man womöglich in einer Hauptschule. Warum dann Lehrer noch in „schulformspezifischen Milieus“ denken, ist eine Frage der Wahrnehmung in der Lehrerschaft selbst. An der Politik ist es, dieser Wahrnehmung entgegen zu wirken.

Von integrierten Schulformen hört man oft genug, dass das Niveau zu schwach sei, um es mit den Spitzen differenzierter Systeme zu vergleichen. Warum ist das eigentlich so – zumindest in Deutschland? Warum haben andere Länder keine oder weniger Probleme damit? Warum helfen uns Besuche in den Hochburgen integrierter Systeme, wie Finnland, nicht weiter? Weil bei uns die großen „Selektierer“ in Bayern bei PISA so gut abschneiden und deshalb die Gegenbewegung zur Integration mindestens genauso groß ist? Ehrlich gesagt, habe ich keine genaue Antwort darauf. Wer kann Sie geben? Vielleicht die 16 Kultusminister?

Ihr

 

Gernot Herz

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