Was hat Missbrauch mit pädagogischen Konzepten zu tun?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
es fällt einem schwer, etwas zu den Missbrauchsfällen zu sagen, die nicht nur im Fall der katholischen Kirche, sondern auch in Bezug auf die Missbrauchsfälle an Schulen jahrelanges Leid über die Opfer brachten, aber nicht zuletzt auch das Potential haben, ganze Berufszweige und deren Auffassung von Bildung in Misskredit zu bringen. Wichtig ist eine lückenlose Aufklärung, kein Vertuschen, das ebenso in die Diskussion über eine Änderung des Strafrechts mit einbezogen werden muss, wie die Frage nach der Verjährung von Missbrauch.
Aber den Stab über die Reformpädagogik zu brechen und ein ganzes Konzept in Zweifel zu ziehen, wie es in manchen Medien zumindest angedacht wird, ist der falsche Weg. Da kann man nur Hans Brügelmann, Professor für Erziehungswissenschaft in Siegen und Sprecher des Verbunds der Reformschulen ,,Blick über den Zaun‘‘ beipflichten, der sich im Portal TeacherNews wie folgt zu dieser Frage, die meiner Ansicht nach keine ist, äußert: Aus dem Fehlverhalten einzelner - wenn auch prominenter - Pädagogen pauschale Urteile über reformpädagogisch orientierte Einrichtungen und Initiativen abzuleiten, ist jedoch nicht zulässig. Denn zu deren entscheidenden Antriebskräften zählt der bedingungslose Widerspruch gegen jede Form von Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen, strukturelle wie personale. Grundlage jeder Erziehung ist die Beziehung von Erwachsenen und Kindern. Und diese Beziehung macht immer verletzlich und ist es auch unvermeidlich selbst, gleich in welcher Einrichtung und unter welcher Programmatik. Dies gilt in Vereinen, Schullandheimen, Kommunionsgruppen, Internaten, aber auch in Familien. Diese Spannung ist vielen Schulen und Lehrern, die sich an reformpädagogischen Ideen orientieren, bewusst, aber ohne institutionelle Sicherungen war das offensichtlich nicht genug.
Die Gefahr, dass Missbrauch dort passiert, wo Kinder und Jugendliche gewissermaßen als „Schutzbefohlene“ mit Erwachsenen zusammentreffen, ist leider immer vorhanden, nämlich in Schulen, Kindergärten, Sportabteilungen oder sonstigen Vereinigungen. Wichtig ist, darüber nachzudenken, wie man die Gefahr minimieren kann, indem man aufklärt, weiterbildet und stärkt. Dass ein Baustein, wie oben erwähnt, dabei auch das Strafrecht sein muss, versteht sich von selbst. Aber bitte, die Problematik sollte nicht Anlass zu einer Debatte um pädagogische oder didaktische Konzepte sein!
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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