Was ist der richtige Name für eine Schule?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Friedrich Flick, verurteilter Kriegsverbrecher, hatte sich mit hohen Summen eine Schule als Denkmal in seiner Kommune gekauft. Erst im Herbst 2008 wurde die mehr als dreißigjährige Auseinandersetzung mit der Umbenennung des Gymnasiums in Städtisches Gymnasium Kreuztal beendet.

Im Falle eines Gymnasiums am Tegernsee sollte 2005 eine zehn Millionen schwere Stiftung des Multimilliardärs und Gründers des Metro-Konzerns Otto Beisheim zur Verewigung im Schulnamen führen. Auf das ablehnende Schulkollegium wurde damals enormer kommunalpolitischer Druck ausgeübt. Beisheim war hochrangiges Mitglied der SS.

Im August 2008 bekam das Erich-Hoepner-Gymnasium in Berlin einen neuen Namen. Nach 52 Jahren distanzierte man sich auch dort erstmals von der Biografie des Wehrmachtsgenerals Hoepner. Der stellte sich zwar 1944 gegen Hitler, hatte jahrelang aber als Befehlshaber Angriffskriege mitgeführt.

Mit solchen Problemen beschäftigt hat sich der Historiker Geralf Gemser, als er die Namen von 33000 Schulen in Deutschland untersuchte. Ein Interview mit dem Historiker finden Sie unter www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/914010/. Was bei Straßennamen zu Umbenennungen führte, sollte erst Recht bei Schulen der Fall sein, nämlich eine konsequente Umbenennung der Schulen, wenn sich hinter den Namen, die sind hier nicht nur Schall und Rauch, beispielsweise Nationalsozialisten verbergen. Unbestritten ist, dass die reine Mitgliedschaft in der NSDAP oder einer Organisation wie dem NS - Lehrerbund nicht unweigerlich einen Täter produziert, jedoch sollten sich alle Schulen, die aufgrund dieser Studie als Träger eins fragwürdigen namens identifiziert wurden, damit kritisch auseinander setzen. Da neonazistische Umtriebe ein ständiges Problem sind, könnte man durch die Umbenennung ein offentlichkeitswirksames und positives Zeichen setzen, insbesondere dann, wenn man bei der Namenswahl Personen wie beispielswiese die Geschwister Scholl oder Anne Frank berücksichtigen würde.

Ihr

 

Gernot Herz

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Siegfried, 27.02.2009 18:24:
Was für deutsche Generäle gilt, sollte auch für britische oder amerikanische Generäle gelten.Meines Wissens hat man dem britischen Luftwaffengeneral Harrison in den 90iger Jahren des vorigen Jahrhunderts (!) ein Denkmal errichtet. Die Entrüstung in Deutschland hielt sich sehr in Grenzen. Solange man mit zweierlei Maß misst (z.B. Greueltaten scheußlichster Art bei der "Befreiung" Deutschlands und Österreichs, Verteibung der Deutschen, ..), bleibt ein schaler Nachgeschmack. Womit müssen sich die Sieger für ihre Kriegsverbrechen rechtfertigen? Ach ja, die Sieger haben immer Recht.
Hans-Joachim, 02.03.2009 11:22:
Genau so isses, Gernot Herz! Ihr Artikel ist sowas von korrekt. Erst recht ihr letzter Satz. Aber so lange noch nicht zurück genommene Bundesverfassungsgerichtsurteile aus den 50-er Jahren, und ich glaube auch das Urteil zum Grundlagenvertrag BRD-DDR Anfang der 70-er Jahre gehört dazu, existieren, und vorsichtig ausgedrückt, suggerieren, dass die Bundesrepublik Rechtsnachfolger eines untergangenen Staates ist, wird dieses Land und damit auch seine Menschen immer ein weltanschauliches Problem haben.