Stichwörter: PISA, KMK, Lesekompetenz.

Was sind die Konsequenzen aus dem Schulleistungsvergleich?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

erneut belegt der Länder-Schulleistungsvergleich die extrem hohe Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Bildungserfolg in Deutschland. Bundesweit hat ein Kind aus der Oberschicht gegenüber einem Schüler aus einer Facharbeiterfamilie auch bei gleicher Intelligenz und Lernvermögen eine 4,5 mal so große Chance, ein Gymnasium zu besuchen. 

Besonders ausgeprägt ist das soziale Bildungsgefälle in Baden-Württemberg und Bayern, wo die Chancen von Akademikerkindern gegenüber gleichintelligenten Facharbeiterkindern 6,6 beziehungsweise 6,5 mal so hoch sind. Negativ-Werte in Sachen sozialer Förderung werden auch in Niedersachsen (5,8 mal), Schleswig-Holstein (5,6) und Nordrhein- Westfalen (5,5) erreicht – während Berlin mit 1,7 den besten Wert erzielt.

Fast 18 Prozent aller Neuntklässler in Deutschland haben laut der Untersuchung einen Migrationshintergrund – in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen werden Spitzenwerte um 30 Prozent erreicht. Dabei fanden die Forscher erhebliche Lernunterschiede zwischen den jeweiligen nationalen Gruppen.

Jugendliche türkischer Herkunft erzielten in der Schlüsselkompetenz Lesen/Textverständnis die schlechtesten Werte, während zugewanderte Jugendliche aus Polen und aus der ehemaligen Sowjetunion deutlich besser abschnitten. Innerhalb der einzelnen Herkunftsgruppen wurde zudem eine erhebliche Spreizung der Leistungen festgestellt.

Interessant sind die Kommentare von Lesern auf Zeit online unter einem Artikel zu eben dieser Thematik. Den triumphierenden Ausführungen eines Gesamtschulgegners mit den Worten Je weniger Gesamtschulen es in einem Bundesland gibt, desto besser sind die Schüler. Tja entgegnet der Gesamtschulbefürworter Je weniger Gesamtschulen es in einem Bundesland gibt, desto ausgeprägter ist das soziale Bildungsgefälle. Tja.

Das zeigt doch eigentlich die Crux an diesem Thema, wie es auch von Politikern kommuniziert wird: Jeder legt die Ergebnisse des Ländervergleichs so aus, wie es in sein bildungspolitisches Konzept passt, wenn er denn überhaupt eins hat. Wirklich besorgniserregend ist aber das Ergebnis, wonach fast ein Viertel der 15- Jährigen in Deutschland nur auf Grundschulniveau Texte versteht.

Ihr

  

Gernot Herz

Kommentieren Sie jetzt diesen Artikel

* Pflichtfeld

*

*
*
Heide, 12.07.2010 18:52:
Ich arbeite seit 1976 ununterbrochen als Lehrerin, seit 1991 in Haupt- und Realschulklassen. Viele Schüler mit Migrationshintergrund - solche und solche - sind durch mich unterrichtet worden. Weder die Intelligenz noch das Lernvermögen waren jedoch Ausschlag gebend für einen schulischen Erfolg, sondern ein deutlicher Lernwille. Mit Anstrengung können auch Kinder, die die deutsche Sprache vorerst nicht/schlecht beherrschen, Klassen erfolgreich abschließen. Solange man als gesunder junger Mensch allerdings die Option auf "hartzen" hat, wird sich an der angeprangerten Situation nicht grundsätzlich etwas ändern. Auch wenn ich damit ketzerisch klinge.