Was wollen Lehrerinnen und Lehrer auf der Didacta?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

viele Zeitungen und Internetportale betreiben momentan mehr oder weniger umfangreiche und teilweise sehr interessante Nachlesen zur Didacta 2010. Besonders interessant fand ich dabei, dass in der Online – Ausgabe der Welt Mitleid an der Grenze zur Geringschätzigkeit gegenüber dem Lehrpersonal, zumal dem, das auf der Didacta scheinbar beobachtet wurde. Die Lehrerinnen und Lehrer, die erst gar nicht kamen, nehmen demnach den Job nicht ausreichend ernst und haben platt gesagt „vormittags recht und nachmittags frei“.

Tatsächlich äußert sich die Autorin Margita Feldrapp wie folgt: Kläglich, ja beinahe bemitleidenswert.., wie sie auf der Bildungsmesse Didacta, die am Wochenende in Köln zu Ende ging, um Wühltische drängen, um ein vergünstigtes Schulbuch zu ergattern. Oder sich von Verlagsvertretern belehren lassen, wie sie "selbst mit Wichtelwissen" mit den neuen Lehrplänen zurechtkommen und welches Handbuch mit den besten Methoden "garantiert auch Ihren Unterricht" gelingen lässt. Was ist geschehen, dass Pädagogen, die eine umfangreiche Ausbildung absolviert haben, anfällig sind für infantile Erfolgsversprechen, gepaart mit naiver Methodengläubigkeit?

Sind also Lehrkräfte, die sich informieren deshalb bemitleidenswert, weil sie es tun, oder weil es ihnen nicht reicht, was sie in der Ausbildung gelernt haben? Soll der Artikel etwa eine Satire sein? Oder was wird da den Kolleginnen und Kollegen angekreidet?

Weiter geht es mit: Auf der Didacta informieren sich nicht die arbeitsscheuen Studienräte, die Studien zufolge ihren Beruf ohnehin nur aus Verlegenheit gewählt haben, sondern die Motivierten, Innovationsfreudigen, die, die wenigstens für einen Nachmittag eintauchen wollen in die Schule der Zukunft. … Hier treffen sich Lehrer, die vorausdenken, ihre Arbeit gut machen wollen. Manchmal zu gut.

Was für ein Lehrer will ich wohl lieber sein? der Faulpelz, der zu Hause bleibt, oder der Depp, der sich auf der Didacta informiert. Etwas anderes scheint im Weltbild der Welt – Autorin nicht zu existieren. Besonders verwerflich ist der Besuch der Didacta vor allem dann, wenn diese Lehrer sich an alles klammern, was Erfolg verspricht. Ganz vorn unter den pädagogischen Heilsbringern sind Lernmethoden aus der Grundschule - schließlich stand diese bei den internationalen Leistungsvergleichen Iglu und Vera recht passabel da. Und so versucht man es auch bei den Älteren mit Lückentexten, Lernspielen, Lerntagebüchern und Ähnlichem.

Entschuldigung, dass man auch einmal über den pädagogischen Tellerrand hinaus schaut!

Entschuldigung, dass man auch einmal über eine Ergänzung des Unterrichts nachdenkt!

Am besten wäre für die nächste Didacta ein Handbuch mit Hilfen, wie man sich als Lehrer auf der Didacta verhält, damit man sich hinterher für den Besuch nicht schämen muss.

Ihr

Gernot Herz

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Wolfgang, 26.03.2010 14:51:
So, wie es sicher bessere und schlechtere Lehrer (an allen Schulformen) gibt, so gibt es offensichtlich auch bessere und schlechtere Journalisten. Schade nur, wenn diese ihre infantil-populistischen Meinungsäußerungen zunehmend auch in ansonsten renommierten Medien zum Betsen geben dürfen!