Werden unsere Kinder einseitig erzogen?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zuhause die alleinerziehende Mutter, im Kindergarten eine Erzieherin, dann vier Jahre Grundschullehrerin und auf der weiterführenden Schule meistens auch Frauen. Schadet diese geschlechtliche Einseitigkeit den Kindern, insbesondere den Jungen? In Gesprächen mit Kollegen wird schnell die These geäußert und keinem erscheint es abwegig, dass das männliche Moment im Erziehungsprozess zu kurz kommt. Eine Studie hat das jetzt untersucht und kam, laut Spiegel Online, zu folgendem Ergebnis: Weder Mädchen noch Jungen profitieren bei der Kompetenzentwicklung oder den Noten in Mathe, Deutsch oder Sachkunde entscheidend von einem Lehrer des jeweils gleichen Geschlechts. Es gab keinen Zusammenhang - oder besser fast keinen. Denn für alle Verfechter einer Männerquote enthält die Studie gar einen Dämpfer: Wurden Mädchen und Jungen von einem männlichen Deutschlehrer vier Jahre lang unterrichtet, litt die Leseleistung - und zwar bei Schülerinnen wie Schülern gleichermaßen.

Was hier allerdings gemessen wurde, ist der Kompetenzerwerb. Dieser ist aber nur ein Aspekt einer Persönlichkeit. Der Aspekt, inwiefern es sich verhaltensmäßig äußert, wenn die Erziehung geschlechtlich einseitig verläuft, ist wesentlich schwerer bzw. überhaupt nicht zu messen. Welche These sollte denn auch überprüft werden: Ob einseitige Erziehung durch Frauen Jungen in eine Sinnkrise schickt oder bei Mädchen das Verständnis für das andere Geschlecht verkümmert? Blödsinn. Wenn einige gerne mehr Männer in den Bildungsberufen haben würden, dann sollen sie sich Gedanken um die Umsetzung machen. Ich denke jedenfalls, dass es definitiv nicht schadet, wenn der Löwenanteil der organisierten Erziehung von Frauen geleistet wird.

Ihr

 

Gernot Herz

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Wolfgang, 16.03.2010 08:02:
Erstens: Ich kenne auch andere Untersuchungen, die gerade das Gegenteil zeigen (behaupten). Zweitens: Meine Gespräche mit Lehrern(innen) und Schülern(innen) ergaebn, dass in einer nicht zu vernachlässigenden Zahl von Fällen von den Kolleginnen mädchenspezifisches Verhalten als Norm und anderes Verhalten von Jungen als nicht regelkonform betrachtet wurde, und dass Jungen sich sehr wohl bei der Notengebung benachteiligt fühlen (nicht alle natürlich, und auch nicht bei allen Lehrerinnen). Möglicherweise ist das umgekehrt genauso; aber wenn die Anzahl der Lehrerinnen stark überwiegt, kann eben nicht mehr davon die Rede sein, dass sich Benachteiligungen im Mittel ausgleichen. Ihre Bemerkung, da etwas zu ändern, kann nur als Aufforderung an Politiker verstanden werden, den Lehrerberuf attraktiver zu machen, um bei den (immer noch) bestehenden Rollenverständnissen (Mann als Ernährer; Frau sucht Partner mit höherem Status) und Erfolgskriterien (Gehalt, Karrieremöglichkeiten, sozialer Status in der Gesellschaft) wieder mehr Männer anzuziehen.