Wie Eltern ihre Kinder kontrollieren
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
fühlen sich pubertierende Jugendliche von ihren Eltern zu sehr kontrolliert, erkennen sie deren gute Absichten nicht mehr. Das zeigen Forscher der schwedischen Universität Örebro http://www.oru.se in der Fachzeitschrift Child Development. Sie legten US-amerikanischen Kinder im Alter von 13 und 17 Jahren einen Fragebogen vor, in dem sie ihre eigene Reaktion bei zahlreichen verschiedenen hypothetische Szenarien einschätzen mussten. Dabei stellte sich heraus, dass Kontrollmaßnahmen der Erziehung ab einer gewissen Grenze ihre beabsichtigte Wirkung verlieren. Es gibt zwei Typen der Elternkontrolle, behaupten zumindest die Forscher. Eine davon, die als "Verhaltenskontrolle" bezeichnet wurde, tritt ein wenn Eltern ihren Kindern Rückmeldung geben oder Grenzen und Regeln setzen, damit sich diese selbst kontrollieren lernen und dabei deren eigene Kompetenzen steigern.
Während die Jugendlichen diese Kontrolle grundsätzlich akzeptierten, war das bei der "psychologischen Kontrolle" nicht der Fall. Bei dieser Erziehungsform verhalten sich Eltern manipulativ und bezwecken damit Gefühle wie Schuld, Zurückweisung oder des fehlenden Geliebtseins.
Hielt sich das Ausmaß der Kontrolle in Grenzen, so unterschieden die Jugendlichen zwischen diesen beiden Kontrolltypen und bewerteten die Verhaltensvariante positiver. Gab es zu viel Kontrolle, so fiel diese Unterscheidung völlig weg. Die Jugendlichen empfanden in diesem Fall die hypothetischen Eltern als aufdringlich und fühlten, dass sie als Individuen nur wenig zählten. "Handeln Eltern so, verfehlen sie ihre Ziele, denn sie bewirken damit eine Einstellung, die wenig positiven Einfluss durch Erziehung erlaubt", so Studienleiterin Fumiko Kakihara. (http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=091116003)
Diesen schmalen Grad, der durch die Forschungsergebnisse angedeutet wird, kennen wir nicht nur als Eltern. Auch Lehrkräfte handeln je nach persönlicher Strukturierung und /oder Lerngruppe bzw. Schüler nach einem der beiden Kontrolltypen. Rückmeldungen darüber gibt es nicht. Wie kommt mein Verhalten als Lehrkraft eigentlich objektiv gesehen bei meiner Lerngruppe an? Um das wirklich einmal zu erfahren, muss das System gegenseitigen Coachings in der Schule je nach Status quo ausgebaut oder erst einmal aufgebaut werden. Sicher entwickelt man nach einigen Jahren der Berufserfahrung ein gutes Gespür für die Wirkung einzelner Verhaltenskomponenten, aber eine Rückmeldung von Außenstehenden, nicht direkt Betroffenen wäre sicher für alle eine wertvolle Bereicherung.
Ihr
Gernot Herz
ist ein kostenloser Service vom Fachverlag für Computerwissen.
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