Woher Lehrer nehmen und nicht stehlen?
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
zwar strebt mittlerweile mehr als jeder zehnte Student ein Lehramt an und die Zahl der Absolventen ist zuletzt auf fast 29 000 im Prüfungsjahr 2007 gestiegen. Der Löwenanteil will später jedoch Fächer wie Deutsch, Englisch, Sport oder Gemeinschaftskunde unterrichten. Lust auf die sogenannten MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Technik und Naturwissenschaften verspürt nur jeder fünfte Nachwuchslehrer. Und wer den Mathe- oder Physik-Leistungskurs gepackt hat, strebt meist eine lukrativere Karriere als Ingenieur, IT-Profi oder Finanzmathematiker an. da kann das mittelmäßige Akademikergehalt eines Lehrers selten mithalten.
Insbesondere an Gymnasien und technisch orientierten Berufsschulen wird das Fachpersonal knapp. Deutschlands größte Lehrergewerkschaft, der Deutsche Philologenverband (DPhV) in Berlin, schätzt, dass bereits 20 Prozent des Unterrichts in Mathe und Naturwissenschaften nicht mehr durch fachlich ausgebildete Kräfte erteilt wird, sondern von fachfremden Lehrern und Quereinsteigern ohne Pädagogikstudium. Der Vorschlag von Frau Schavan, Nichtpädagogen an die unterrichtliche Front zu schicken hat dagegen nur Kopfschütteln ausgelöst.
Aber dennoch sind Quereinsteiger gefragt. Viele Bundesländer erkennen ein fachlich passendes Diplom alternativ zum ersten Staatsexamen eines Lehramtsstudenten an. Die praktische Ausbildung an einer Schule verbunden mit pädagogischen Seminaren bleibt Quereinsteigern aber nicht erspart, ebenso wenig wie das anspruchsvolle zweite Staatsexamen. das ist auch gut so, denn der Lehrberuf besteht nicht aus Fachwissenschaftlern, die uniähnlich Vorlesungen halten und die Klasse hat es verstanden. Was häufig verkannt wird, ist die didaktische Kompetenz und das pädagogische Einfühlungsvermögen. Das bringen manche sicher mit, aber nicht ohne Grund sind diese beiden Komponenten fester Bestandteil der Lehrerausbildung.
Ihr
Gernot Herz
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