Zentralismus oder Föderalismus - ein ehemaliger Ministerpräsident bezieht Stellung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

neulich wurde ich wieder einmal von einem befreundeten Nicht-Lehrer gefragt, welche Vorteile denn der Föderalismus für das Schulsystem habe. „Welche Vorteile hätte denn aus deiner Sicht ein Zentralismus?“, war meine Gegenfrage. Ziemlich klar hat ein prominenter CDU-Mann, Erwin Teufel, jüngst in seiner Schelte gegen seine eigene Partei Stellung zu diesem Thema bezogen.

„Ich lese, jetzt wird sich der Bundesparteitag mit der Hauptschule und der Auflösung der Hauptschule beschäftigen. Wissen Sie, ich frage mich auch, wofür wir in der Verfassung stehen haben, dass die Länder für die Schulen zuständig sind, warum wir vor fünf Jahren eine Föderalismusreform gemacht haben und in dieser Föderalismusreform alle Zuständigkeiten, die der Bund im Lauf von 40 Jahren an sich gezogen hatte in der Bildungspolitik, wieder zurückgegeben haben an die Länder. Und jetzt beschließt ein Bundesgremium der Partei, wie unsere Bildungspolitik in den Ländern aussehen soll.“ So wird Teufel in der FAZ zitiert. Und er erhält Zustimmung, auch von mir. wer glaubt, ein Zentralismus in der Bildungspolitik sei das Allheilmittel, der zeigt sich sehr blauäugig. Mir wird angst und bang, wenn ich an eine zentrale Superschulbürokratie denke!

 

Ihr

 

 

Gernot Herz

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Lutz, 12.08.2011 18:45:
Hieber Herr Herz, heute habe ich den Eindruck, Sie und viele, viele Lehrer lassen sich von "DER POLITIK" auf eine Nebensache ablenken. Die regionale Vielfalt, ein Föderalismus, wie wir ihn uns eigentlich wünschen ist die uns zugeworfene Nebensache! Auf dem Haupt-Schlachtfest lassen wir die grotesken Vereinfacher in Ruhe Stellen kürzen (jeder auf seine föderalistisch-eigene Weise) und Verwaltungsaufgaben auf pädagogisch Ausgebildete abwälzen (womit die Bureaukratie nicht schlanker wird, denn die Nicht-Bureaukraten müssen ja ihre notgedrungene nicht-pädagogische Arbeiterei für Fernstehende kontrollierbar machen, und diese Kontrollmarken müssen kontrolliert werden!) Der wichtige Streitgegenstand ist das Klassengröße-pro-Lehrer - Verhältnis, das in unserer Zeit kleiner sein muss, als wir es nach dem Kriege hatten. Zumal damals die Kinder mehr alltägliche und recht mundane Aufgaben hatten (ob auf dem Lande, in der Stadt, oder in "Behausungen") die sie einfach so und oft mit links erledigten, folglich schon eine Ahnung von Arbeiten mit in die Schule brachten. Altklugheit und frühe Reife im Kuddelmuddel - Mix -- schön, das das heute anders und besser ist! In Summa: das o.g. Verhältnis müsste noch etwas kleiner sein! Mag Ihnen vor einer Superschulbehörde grauen -- mir graut vor den sechzehnerlei verschiedenen Weisen, in föderalistischer Eigenheit die von aller Welt erhobene Forderung nach auf die kurzfristigen Bedürfnisse der aktuellen Marktsituation optimal eingestimmten Schülerscharen zu produzieren. Vor lauter Lernen kommt dann keiner mehr zum Denken (geschweige Nachdenken). Schönes Wochenende! und Tschüs.