Zum Abitur: Schule ade!

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bald ist es wieder soweit – zumindest in Rheinland – Pfalz, Hessen, Nordrhein – Westfalen und im Saarland: Nach den Vor-Turbo–Abiturienten verlassen auch die Abgänger der Sekundarstufen die Schulen, um in die Arbeitswelt – hoffentlich – oder aber auf weiterführende Schulen entlassen zu werden. Viele Kolleginnen und Kollegen beginnen spätestens jetzt mit der Planung, wie eine angemessene Abschlussfeier gestaltet werden kann, denn schließlich ist ein Schulabschluss einer der einschneidensten Erlebnisse im Leben.

Soll es eine große Abschlussfeier in der Aula oder der Sporthalle mit möglichst vielen Schülern, Eltern und Freunden werden? Soll sie eher besinnlich und nachdenklich oder fröhlich und ausgelassen sein? Kann man einen guten Kompromiss zwischen beiden Richtungen finden? Sollen auch satirische Beiträge zum Nachdenken anregen?

Oder versucht man ein gediegeneres Umfeld zu schaffen und veranstaltet einen Abschlussball am Abend mit feierlicher Übergabe der Abschlusszeugnisse, mit Reden und feiner Garderobe?

Oft genug macht man bei solch konzeptionellen Überlegungen die Rechnung ohne die Schülerinnen und Schüler, die zwar alle eine schöne Feier haben wollen, aber selten auch bereit sind, daran aktiv und sogar kreativ mitzuwirken. Sind Klassen der Sekundarstufe in der Lage einen ansprechenden Sketch oder musikalisch – künstlerische Beiträge selbständig auf die Beine zu stellen? Oder kommt am Ende das Konzept vom Klassenlehrer, der dann aus der Menge der Flüchtenden Freiwillige rekrutieren muss? Gehört eigentlich ein Gottesdienst zu so einer Feier? Ist so etwas aufgezwungen oder trifft es tatsächlich den Nerv der meisten Abgänger? Auch hier sind freiwillig mitgestaltende Schülerinnen und Schüler dünn gesät.

Ein anderes Beispiel ist die Herstellung einer Abschlusszeitung, die als unbedingtes Muss angesehen wird, aber wie die anderen Events unter chronischem Arbeitskräftemangel leidet. Eher gestalten Klassen dann schon eine Abschlusshomepage, die zumindest redaktionell nicht so schwere Kost darstellt und manchen zeitgemäßer erscheint.

Bei all dem Hader, dem meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen in den Abschlussklassen dieses Jahr wieder verfallen werden – ich habe zum Glück keine: Ich bin sicher, am Ende stellen sie wieder einmal ein ansehnliches Programm auf die Beine, das geschmacklich eine große Bandbreite hat, vielleicht manchmal etwas tanzlastig ist, aber im Großen und Ganzen gemeinsam mit den zukünftigen Abschlussschülern, Lehrern, Eltern und Honoratioren einen würdigen Rahmen darstellt.

Sind Sie eher ein Freund der niveauvollen Kost oder soll es am Ende nicht zu feierlich werden, damit sich auch die Schülerinnen und Schüler darin wiederfinden? Gehört Gott eigentlich dazu?

Schreiben Sie mir an

lehrerforum@vnr.de!

Ich würde mich freuen.

Ihr

Gernot Herz

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