"Zurück in die Zukunft" als Motto für die Bildung?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Alfred Göller, ehemaliger Lehrer am Gymnasium, Fachleiter für Französisch am Studienseminar und Lehrbeauftragter an der Universität Stuttgart äußert sich in der Kuschelpädagogik – Debatte zur Frage, ob man Schüler auch einmal scheitern lassen soll. Allein der Gedanke, Kinder und Jugendliche deutlich ihre Grenzen spüren zu lassen, löse bisweilen Empörung aus, konstatiert er unter anderem, denn ein württembergisches Gymnasium habe sich gerühmt, dass dort pro Jahr nur 0,5 Prozent der Schüler durchfielen. Göller unterstellt in einem solchen Fall ein schwaches Niveau und will dieser Entwicklung entgegenwirken. Auch stellt er eine Liste auf, wie Kolleginnen und Kollegen damit umgehen könnten:

…Es beginnt damit, dass der Lehrer sich selbst diszipliniert und verständlich erklärt, den Stoff ausreichend wiederholt und Hausaufgaben im Unterricht so vorbereitet, dass sie von jedem Schüler, der guten Willens ist, zu Hause alleine erledigt werden können. Die Hausaufgabenkontrolle zeigt dem Lehrer, wo es noch hapert und was vertieft werden muss.

Aber auch dann wird es immer wieder Schüler geben, die das Mindestziel nicht erreichen. Eine Nichtversetzung ist dann jedoch kein Unfall und keine Schande, sondern eine Chance, im nächsten Jahr das Klassenziel zu erreichen. Nach meiner Erfahrung strengen sich die meisten Wiederholer an und erzielen befriedigende Leistungen, wenn sie ihre Grenzen erst einmal kennengelernt haben…

Gerade zum letzten Punkt dürften die allgemeinen Erfahrungen doch wesentlich differenzierter ausfallen. Jedem werden einige Wiederholer einfallen, die sich definitiv nicht verbessert haben und die durch die Wiederholung einer Klassenstufe vielleicht sogar wiederum in Gefahr geraten sind, das Klassenziel nicht zu erreichen. Pauschal ein schlechtes Niveau zu unterstellen, wenn eine Durchfaller- oder Wiederholerquote zu gering ausfällt (Was ist überhaupt gering?), entspricht nicht der Realität. Ob der „Fluch der Kuschelpädagogik“, wie der Kommentar überschrieben ist, auch in Form der sinnlosen Forderung, geistig behinderte Schüler in Normalschulen einzugliedern daherkommt und die Forderung, alle Schüler sechs, acht oder gar zwölf Jahre in demselben Klassenverband zu unterrichten, ohne Rücksicht auf Begabung und Lernwillen des Einzelnen dann den Untergang des deutschen Schulsystems mit verantworten, kann man sicher fragen. Auch hier wird es positive wie negative Antworten geben. Visionär zeigt sich Göller allerdings nicht, denn was mitschwingt ist die unausgesprochene Wahrheit: Früher war alles besser!

Ihr

 

Gernot Herz

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Detlef, 23.02.2010 10:23:
Man muss sich von der Illusion lösen, man könnte jeden Jugendlichen durch richtige Förderung zum Abitur bringen. Das ist Unsinn. Dennoch spielen Fördern und Fordern eine entscheidende Rolle. Scheitern doch auch viele Hochbegabte in unserem Schulsystem! Auch bin ich der Ansicht, dass viele nach dem Sitzenbleiben noch einmal scheitern, weil sie zu spät sitzengeblieben sind, ihre Lernlücken aus viel früheren Jahren resultieren und durch das Wiederholen nicht ausgeglichen werden können. Auch Fehler im Lernverhalten (u.a. Faulheit), die durch Lehrkräfte und auch Eltern nicht erkannt und nicht behoben oder nicht durch überdurchschnittliche "Intelligenz" der Lernenden selbst ausgeglichen werden können, führen zwangsläufig zum Scheitern! Leider ist es auch so, dass viele Eltern Ihre Kinder in Schulausbildungen zwingen, die diese überfordern, sie aber auch den Empfehlungen von Lehrkräften nicht folgen wollen, da diese damit häufig falsch liegen. (Wie sagte ein Freund einmal zu mir:"Mein Bruder ist Lehrer, ich bin nur Professor (Medizin)! Dabei hatte ich die Empfehlung zur Realschule, mein Bruder zum Gymnasium. Ein Extremfall, aber einer von mehreren in meinem Bekanntenkreis!