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Jungen setzen sich kritisch mit Männlichkeitsmustern auseinander

Jungen setzen sich kritisch mit Männlichkeitsmustern auseinander

Angebote im Sinne des Projekts Neue Wege für Jungs unterstützen Jungen dabei, sich kritisch mit Männlichkeitsmustern auseinanderzusetzen. Insbesondere durch Cross-Gender-Angebote (Frauen arbeiten pädagogisch mit Jungen) kommen die Jungen mit Arbeitsbereichen, Tätigkeiten und Verhaltensweisen in Kontakt, die traditionell eher dem weiblichen Geschlecht zugewiesen werden.

 

Gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen stellen Jungen und junge Männer vor neue Herausforderungen bei ihrer Zukunftsplanung. Vielfältige Partnerschafts- und Familienmodelle und veränderte Anforderungen des Arbeitsmarkts korrespondieren immer weniger mit traditionellen Männlichkeitsmustern.

Der Wandel von der Industriegesellschaft zur Wissens- und Dienstleistungsgesellschaft führt zu einem deutlichen Abbau von Arbeitsplätzen im traditionell stärker von Männern dominierten produzierenden Gewerbe und teilweise auch im Handwerk. Gleichzeitig ist eine Zunahme von Arbeitsplätzen im klassisch weiblich besetzten Dienstleistungsbereich zu verzeichnen. Bisher haben diese Veränderungen am Arbeitsmarkt das Berufswahlverhalten der Jungen kaum beeinflusst.

Mit der steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen und der gleichzeitigen Abnahme der Männererwerbstätigenquote gleichen sich männliche und weibliche Erwerbsbiographien zunehmend an. Damit verliert die "klassische" Aufgabenteilung zwischen Frauen und Männern an gesellschaftlicher Aktualität.Die tradierten Rollenbilder vom Mann als „Alleinernährer“ der Familie und der Frau als Hausfrau und Mutter werden der Realität immer seltener gerecht. Als normatives Leitbild bleiben klassische Rollenvorstellungen aber häufig erhalten und entfalten gerade bei Jungen weiterhin ihre Wirkung.

 

Darüber hinaus führt der wirtschaftliche Strukturwandel auch zu neuen Anforderungen an die Beschäftigten. Soziale und kommunikative Kompetenzen werden im Erwerbsleben immer wichtiger. Weil diese Eigenschaften jedoch eher weiblich konnotiert sind, fällt es manchen Jungen und jungen Männern schwer, diese Kompetenzen stärker auszubauen. Dies kann sich sowohl im privaten Bereich als auch im Berufsleben als nachteilig erweisen. Darum sollten Jungen in ihren sozialen Kompetenzen stärker gefördert werden.

Eine geschlechtsbezogene Unterstützung von Jungen ist dringend erforderlich. Die positiven Erfahrungen, die seit den 1970er Jahren in der Mädchenförderung zu verzeichnen sind, bieten dafür einen Ansatzpunkt. Allerdings können die Konzepte der Mädchenförderung – wie beispielsweise der Girls’Day – Mädchen-Zukunftstag – nicht einfach auf die Jungen übertragen werden.

Mädchen und Jungen brauchen für ihre Lebensplanung geschlechtssensible Angebote, die Differenzen berücksichtigen ohne sie zu zementieren und ohne die Vielfalt innerhalb der Geschlechtergruppen zu vernachlässigen. Damit die eingleisige Fokussierung vieler Jungen auf die Erwerbsarbeit verändert werden kann, sollte die Berufswahlorientierung in eine gendersensible Lebensplanung eingebunden werden.

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