Kleider machen Leute - auch Lehrer?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

im Sommer wie im Winter sind gedeckte Naturtöne eine sichere Empfehlung. Einfarbige Anzüge sind nicht nötig, besser sind englisch angehauchte Kombinationen aus Kord, Tweed oder einem währschaften Baumwoll-Twill. Die Ärmel des Sakkos können Leder-Blätze an den Ellbogen haben. Zu dieser Garderobe gehören Flanell- oder Oxford-Hemden – niemals aber kragenlose T-Shirts. Wer das Hemd ohne Krawatte trägt, sollte Button-down-Kragen wählen. Wer Krawatten bevorzugt, dem seien Klubstreifen oder Karos empfohlen. Über dem Hemd können auch einfarbige Pullover oder Pullunder getragen werden. Brogues mit kernigen Ledersohlen geben eine rustikale Note, doch Turnschuhe, Slippers und Sandalen sind tabu. Jeans werden immer mit einem Jackett kombiniert. Auch Lehrerinnen muss dringend dazu geraten werden, auf Elemente der Freizeitgarderobe zu verzichten. Als Basis ist das Kostüm (wahlweise mit kniebedeckendem Rock oder langer Hose) ein sicherer Wert. Statt auf Jeans zu pochen, sollte der in Vergessenheit geratene Hosenrock wieder erwogen werden. Eine helle Bluse wirkt seriös und fokussiert, ein Foulard gibt einen Farbtupfer. T-Shirts sind möglich, aber niemals «solo» getragen, nur für drunter. Zu empfehlen sind das Twinset und die Feinstrickjacke, auf Schmuck und hohe Absätze kann verzichtet werden.

Solche Tipps gab Jeroen van Rooijen, ein „Stilexperte“ am 16.11.09 in der NZZ. Haben Sie verstanden? Ich auch nicht. Wollten wir den Empfehlungen folgen, müssten wir wahrscheinlich die Fachabteilungen Herren- bzw. Damenoberbekleidung besuchen und uns dort beraten lassen, nachdem wir die Fachbegriffe aus der Modebranche auf einen Notizzettel geschrieben haben.

Vielleicht könnten wir auch den Zeitungsartikel mitnehmen oder vorher die genannten Bezeichnungen wie „Brogues“, „Button-down-Kragen“ oder „Foulard“ googeln. Immerhin könnte man nach erfolgreichem Einkauf die Quittungen aufbewahren und versuchen, sie bei der nächsten Steuererklärung geltend zu machen. Offensichtlich ist nach Ansicht der Fachdidaktikerin Daniela Plüss „Textilkompetenz Teil der Auftrittskompetenz“. Sicher, es gibt Grenzen, wie man sich kleidet, dass aber gemeinhin der Kleidungsstil abhängig von Alter, Geschlecht und Geschmack ist, über den man nicht streiten sollte, kann nicht bestritten werden. Allerdings handelt es sich nicht um Anbiederei, nur weil die Lehrpersonen zufällig wie ihre Schülerinnen und Schüler bei H & M einkaufen. Was aber überhaupt nicht geht beschreibt Frau Plüss zum Glück auch: Eine Studierende hat uns erzählt, sie habe sich bei einem Schulleiter vorgestellt, der sie in Sandalen, einer in die Jahre gekommenen Strickjacke und mit leichtem Schweissgeruch im Büro empfangen habe.

Interessant sind hierzu ebenfalls die Meldungen aus dem pädagogischen Untergrund:

Was wir also in Zukunft nicht mehr sehen wollen: 

  • Männer mit fast in die Armbeuge hochgezogenen, speckigen Breitcordjeans.

  • Weiße Tennissocken, die unter eben jenen Hosen hervorlugen.

  • Lappige Wollpullover mit den abscheulichsten Mustern .

  • Sandalen, in denen bestrumpfte Füße stecken (manchmal ohne Strümpfe noch viel schlimmer).

  • Insgesamt schlecht sitzende, billige Kleidung, die an den merkwürdigsten Stellen mit Kreideflecken verunreinigt ist, und das nicht nur an einem Tag, nein, jeden Tag.

  • Hier besonders ins Auge fallend, wenn der Lehrkörper hoheitliche Aufgaben zu erledigen hat (Abitur etc.) und komischerweise meint, er müsse sich „besonders“ anziehen, was fast immer ein stilistisches Debakel wird.

  • Selbst geschnittene Haare und -bei den Männern zusätzlich- Bärte, so wie es anno 68 schick war.

  • T-Shirts mit putzigen, selbst kreierten Sprüchen wie: „Juchhu, endlich wieder Altgriechisch!“

Kennt jeder! Zum Glück haben wir aber auch andere und viel wichtigere Probleme. Unbestritten ist, dass man sich auch in 20 Jahren noch darüber streiten wird. Aber denken Sie daran: Es wird Frühling, ziehen Sie sich passend an! 

Ihr

  

Gernot Herz

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Detlef, 23.03.2010 11:55:
Ja! Kleider machen Leute - auch für Lehrer - immer noch!Wenn Lehrkräfte meinen, in Sachen Lässigkeit, Schlammpigkeit und Lockerheit seine Schüler zu übertrumpfen und als Lernziel zu haben, bei den Schülern beliebt zu sein, dann sollten Sie sich nicht darüber beklagen, dass eben diese ihnen keine Achtung geschweige denn Respekt entgegenbringen. Von jemandem, vor dem ich dies nicht habe, nehme ich auch keine Lehren an. Das gilt fürs Elternhaus genauso wie für die Schule und das spätere Berufsleben. Eine ausschließliche "Amtsautorität" reizt zum Widerstand!!!